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Da es hier
um eine Frage geht, die mir in meiner
mehr als 25jährigen JESUS-Nachfolge schon des öfteren einmal gestellt
wurde, will ich versuchen, eine
zufriedenstellende Antwort zu geben.
Der von Dir angeführte Vers 1.Kor.11,14 findet
sich in einem Abschnitt, in dem es vornehmlich um die Verschleierung der
Frauen geht. Die jüdischen Frauen zeigten sich für gewöhnlich verschleiert; das galt natürlich besonders im
Gottesdienst. Die Griechen sahen dies alles nicht so eng. Da sich in der
korinthischen Gemeinde unterschiedliche Traditionen und Herkünfte
zusammenfanden, musste im Interesse eines geordneten Gottesdienstes geklärt
werden, wie es die Christen halten sollten. Zunächst möchte ich Dir einige
Passagen aus der "Wuppertaler Studienbibel" von 1983 zitieren, Anmerkungen
in Klammern sind von mit eingefügt:
"Wir
müssen bei unserem ganzen Abschnitt bedenken, dass Paulus hier nicht eine
theologische Abhandlung von zeitloser Gültigkeit schrieb, sondern in die Lage
einer ganz bestimmten Gemeinde hinein
eine Anweisung geben will, einer Gemeinde, die ihr Leben zu einer ganz
bestimmten Zeit und in einer bestimmt geprägten Umwelt zu führen hat. Darum ist
manches an dieser Anweisung zeitbedingt. So war es ja auch schon im vorigen
Abschnitt: "Götzenopferfleisch" gibt es bei uns nicht mehr.
Unmittelbar waren die Ausführungen des Paulus nicht mehr auf uns anzuwenden.
Und doch sagten sie ganz Wichtiges auch für unser heutiges Christsein. So ist
die Stellung der Frau heute ganz allgemein eine andere geworden. Die Frau
mit dem unbedeckten Kopf ist für uns ein selbstverständlicher Anblick in der
Öffentlichkeit. Wir empfinden die Frau oder das Mädchen ohne Kopfbedeckung in
gar keiner Weise mehr als "unweiblich" oder
"herausfordernd". Das "Empfinden" hat sich hier gewandelt.
Wir müssen uns immer der Relativität und der Wandelbarkeit solcher
"Empfindungen " bewusst bleiben. Wie schockierend und unmöglich
wirkte noch vor einem Menschenalter eine Diakonisse auf dem Fahrrad. Wie fatal
empfanden wir zunächst die kürzer werdenden Röcke. Heute haben wir uns an
solche Dinge gewöhnt. Wenn Paulus die Korinther auffordert: " Bei euch
selbst urteilt: Ist es geziemend, dass eine Frau unbedeckt zu GOTT
betet?", so konnte er damals damit rechnen, dass die Gemeindemitglieder
rein vom Empfinden ihrer Zeit her, ohne dass jetzt Christentum oder Glauben
dabei eine Rolle spielten, ihm zustimmten und ein solches Verhalten für "nicht geziemend", für
"anstößig" hielten. Wir aber empfinden darin anders und zwar
wiederum, ohne dass Christentum und Glaube dabei mitsprechen. Wie stark Paulus
selber sich bei seinem Urteil gar nicht einfach vom Glauben bestimmt weiß,
zeigt sein Hinweis auf die "Natur". "Und lehrt euch nicht die
Natur selbst, dass wenn ein Mann langes Haar trägt, es eine Unehre für ihn ist;
wenn aber eine Frau langes Haar hat, es eine Ehre für sie ist? Denn das lange
Haar ist ihr als Hülle gegeben." Auch hier ist für uns sofort deutlich,
wie unsicher und wandelbar solche Lehre der " Natur" ist. Für den
Griechen der alten Zeit war wie für den Germanen das lange Haar beim Mann
durchaus ehrenvoll und das Kurzschneiden des Haares schimpflich. Erst in der
Römerzeit kamen der Kurzschnitt und die Rasur des Manneskopfes auf. Und es gibt
heute noch Indianerstämme, bei denen jeder Mann, auch der Christ gewordene, den
langen Zopf trägt und dies mit Stolz tut und eine "Ehre" darin sieht,
recht langes Haar zu haben. Und doch ist der Hinweis des Apostels auf die
"Natur" nicht falsch, sondern richtig und wesentlich. Die Natur macht
einen tiefen und unaustilgbaren Unterschied zwischen den Geschlechtern. Und
dieser Unterschied betrifft nicht nur die Einzelheiten, sondern bestimmt das
ganze körperliche und seelische Sein. Und hinter der "Natur" steht
GOTT, der Mann und Frau in dieser ganzen Verschiedenheit gewollt hat, gerade
damit ihre Einheit in der Ehe und ihre Einheit in CHRISTUS umso reicher und
fester werde. Und damit stehen wir vor dem eigentlichen Nerv in den Ausführungen des Apostels. Die Frau hat in
der Gemeinde JESU eine Stellung bekommen, die sie hoch aus allem heraushob, was
der jüdischen wie der heidnischen Frau zugestanden war. Als
"Glaubende" steht sie gleichberechtigt neben dem Mann in CHRISTUS; sie darf völlig anders als die
Frau in der Synagoge oder die Frau im heidnischen Tempel beten und weissagen.
Aber bleibt sie dabei dennoch ganz "Frau"? Oder strebt sie nach einer
falschen "Gleichheit" mit dem Mann, die der Natur und dem
Schöpferwillen GOTTES zuwider lief? Für Paulus entschied sich das an einer
Äußerlichkeit: Am Ablegen oder am willigen Tragen des Kopftuches als dem
Kennzeichen der Ehefrau. Wir haben das "Kopftuch" in diesem Sinn
nicht mehr, so wie wir auch das "Götzenopferfleisch" nicht mehr
kennen. Der Hut der Frau hat mit dem "Kopftuch" der damaligen Zeit nichts
zu tun. Und selbst wenn Frauen und
Mädchen heute ein Kopftuch umbinden, so ist es doch in keiner Weise mehr das
"Kopftuch", um das es Paulus damals ging. Das heutige Kopftuch ist
kein "Zeichen" mehr (Ausnahme: Muslimas). Mit ihm hat eine Frau heute keine "Macht
auf ihrem Haupt". Aber für die Gemeinde JESUS geht es auch heute darum,
dass ihre Männer ganze Männer und ihre Frauen echte Frauen bleiben. Und auch
für uns wird sich die Wahrung der "Fraulichkeit" der weiblichen
Gemeindemitglieder in bestimmten "Äußerlichkeiten " entscheiden, wie
alle inneren Haltungen in äußeren Verhaltensweisen konkret zum Ausdruck kommen.
Ein klares Empfinden für das, was der Frau (und dem Mann) "geziemend"
ist, muss in der Gemeinde JESU lebendig sein. Es gibt zweifellos modische
Dinge, die eine Jüngerin JESU (wie auch
ein Jünger JESUS) nicht mitmachen kann, weil sie trotz der Mode hässlich oder
herausfordernd sind."
Ich denke,
hier ist eigentlich schon das wesentliche gesagt. Im Rahmen einer anders
gearteten gesellschaftlichen Situation müssen Grundsätze neu gestaltet werden.
Eine einfache Übertragung verbietet sich, sonst müssten wir gar zu der
Kleidermode, oder gar zum Sklaventum der
damaligen Zeit zurückkehren. Ich erinnere mich mit Schmunzeln an eine
Begebenheit aus der Zeit, wo meine Frau und ich, beide noch recht junge
Christen, beim Christlichen Hilfswerk in Baden-Baden Steinbach angestellt
waren. Es handelte sich um eine christliche Glaubens- und Lebensgemeinschaft;
Dinge wie Fernsehen, weltliche Musik oder Rauchen waren dort tabu. Für uns, die
wir aus der Drogenszene kamen, war das ein sehr hilfreicher Rahmen. Einmal in
der Woche kamen wir als Haus- und Lebensgemeinschaft zusammen. Probleme des
Zusammenlebens konnten hier angesprochen werden. Und dann "störte
sich" ein "Bruder" an den Hosen, die die jüngeren Mitarbeiterinnen
immer öfter trugen - lange Zeit galt ein
allerdings inoffizielles "Hosenverbot" bei weiblichen Mitarbeitern.
Eine äußerst lebhafte Diskussion entstand, auf der alle, vor allem die
betreffenden jüngeren Mitarbeiterinnen und der schon erwähnte "Bruder"
ihre Positionen lebhaft verteidigten.
Bis dann der Hausvater, ein liebenswürdiger, älterer, weishaariger Bruder, dem
Zwist mit seinem Beitrag ein Ende setzte. "Ist das nicht ein bisschen
albern, was ihr da diskutiert", meinte er, wisst ihr eigentlich, das zu
JESU Erdenzeiten Männer Kleider und Röcke trugen. Das entscheidende ist doch,
dass ein Mann als Mann und eine Frau als Frau erkennbar ist, also, dass ein Mann sich nicht weibisch gibt und eine
Frau nicht wie ein Kerl daherkommt." Recht hatte er! Und ich denke auch
nicht, dass ich weibisch wirke. Schon mein langer Bart steht dem im Wege.
Übrigens gebe ich Paulus recht.
"Und lehrt Dich nicht auch die Natur selbst, dass wenn Du lange Haar
trägst, es eine Schande für Dich ist?" Natürlich tut sie das. Ich meine,
ich bin jetzt 57, in diesem Alter haben viele Männer schon reichlich wenig
Haare auf dem Kopf, und auch meine wachsen lange nicht mehr so wie in jüngeren
Jahren, werden dünner, fallen aus , splissen, ist doch nur eine Frage der Zeit,
dass es unansehnlich wird, eine Schande. Ja und ? Ich meine, ist unser
verweltlichtes westliches Christentum nicht sowieso meist eine Schande. Auf
eine mehr oder weniger kommt es dann doch gar nicht an, oder? Aber tröstlich,
sie sind alle gezählt! (Mt.10,30) und GOTT schaut nicht auf das Äußere, sondern
aufs Herz (1. Samuel 16,7)!
Abschließen möchte ich mit einem kurzen Zeugnis.
Ich war zu JESUS bekehrt, trug aber noch
sehr lange Haare. Ich las viel in der Bibel und stieß so natürlich auch
auf diese Korintherstelle, damals ging
sie mir quer runter, um ehrlich zu sein, ich war einfach noch nicht bereit,
mein langes Haar GOTT auszuliefern. Da war noch ganz viel Stolz. Doch in meiner
Gemeinde wurde ich genommen, wie ich war. Sie vertrauten wohl auf das Wirken
des HEILIGEN GEISTES. Und ER wirkte! Während einer Predigt überkam mich eine
große Unruhe. Ich spürte, GOTTES GEIST wollte mich auf das Thema Haare
ansprechen. Ich wurde innerlich gedrängt, meine Bibel aufzuschlagen. Aber bitte
nicht Korinther, sträubte sich mein Inneres. Damals hatte ich eine Bibel mit
Register. Wenn schon Bibel, dann Apostelgeschichte dachte ich, da kann Dir
nichts passieren. Von wegen! Als ich die Bibel geöffnet hatte, lag mein Finger
direkt auf folgender Stelle: "... und trage die Kosten für sie, dass sie
sich ihr Haupt scheren können; so werden alle erkennen, dass es nicht so sei,
wie ihnen über dich berichtet ist..." (Apg. 21, 24) Da hatte ich´s, sogar
mit Begründung. Und so überzeugte mich GOTTES GEIST innerlich, mir die Haare kurz schneiden zu
lassen, einfach um meinen Eltern und meiner Umgebung deutlich werden zu lassen,
Joe ist anders geworden, gehört jetzt zu JESUS und hat mit Drogen und Rebellion nichts mehr im
Sinn. Und so habe mir dann gegen mein eigenes ästhetisches Empfinden die Haare
kurz geschnitten und sie auch einige Jahre kurz getragen. Mittlerweile sind sie
wieder gewachsen - wie bei Simson -, fühle mich so einfach wohler in meiner Haut. Auch meine Frau mag
es, und ich habe Frieden darüber. Für
den Dienst, wie ihn GOTT geschenkt hat, ist es mitunter sogar hilfreich. Ich
brauche z.B. bei Einsätzen in der Szene oft gar nicht auf die Leute zugehen.
Sie kommen meist von selbst zu mir:
"eh, Alter, haste Stoff?" und
schon sind wir mitten im Gespräch . Ein Schlussgedanke: ich bin nicht davon
überzeugt, dass JESUS wie auf traditionellen Abbildungen meist abgebildet,
lange Haare getragen hat. Lange Haare trugen die Nasiräer, das waren
abgesonderte, heilige Leute im Judentum, die ein Gelübde abgelegt hatten. U.a.
durften sie keinen Wein trinken und keine Toten berühren. JESUS hat beides aber
gemacht. Er wird nichts nach außen dargestellt haben, was in Wirklichkeit nicht
war. So denke ich, dass ER wohl kurzes oder mittellanges (der damaligen
Gepflogenheit entsprechendes) Haar
getragen hat.
Hoffe, ich
habe Dir mit meinen Zeilen dienen können. Im Mittelalter hat sich einmal die
gesamte theologische Elite wochenlang
darum gestritten, wie viele Engel auf einer Nadelspitze Platz hätten,
statt den unerretteten Massen das Evangelium zu bringen. Es gibt doch wirklich
wichtigere Themen und Aufgaben. Packen wir´s an,
Joe
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