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H.L. Heijkoop gibt auf diese Frage folgende Antwort:
Apg. 17,30+31: Nun hat zwar Gott über die Zeiten der
Unwissenheit hinweggesehen, jetzt aber gebietet Er allen Menschen überall, Buße
zu tun, weil Er einen Tag festgesetzt hat, an dem er den Erdkreis in
Gerechtigkeit richten wird durch einen Mann, den Er dazu bestimmt hat und den Er
für alle beglaubigte, indem er ihn aus den Toten auferweckt hat.
Lieber Freund!
Das von Dir angeschnittene Thema ist wohl eine
ernsthafte Betrachtung wert, und so will ich gleich darauf eingehen.
Du schreibst, Dir würde in persönlichen Gesprächen und
auch in den Zusammenkünften oft gesagt, Du müsstest Dich bekehren; aber Du
fühlst die Notwendigkeit nicht. Du gehst ganz in Deinen Beschäftigungen auf, Du
hast ein gutes Zuhause und die besten Freunde, Du hoffst, bald eine gute
Anstellung zu bekommen und dann etwas von der Welt zu sehen. Du bist mit Deinen
Verhältnissen durchaus zufrieden - und, ehrlich gesagt - findest Du die
dauernden Ermahnungen, Dich bekehren zu müssen, höchst überflüssig, sie hängen
Dir zum Halse heraus.
Ich kann das sehr gut verstehen. Es gibt Menschen, die sich dauernd mit anderen
Leuten beschäftigen, die den ganzen Tag gute Ratschläge erteilen oder Dir
erzählen, dass Du alles falsch machst. So etwas immerzu anhören zu müssen, ist
kein Vergnügen, besonders nicht, weil Du ja doch nicht ganz genau weißt, dass
sie unrecht haben.
Und das ist nun doch äußerst wichtig: Haben sie recht
oder unrecht? Musst Du Dich bekehren, oder ist das nicht so nötig? Wenn es um
eine Kleinigkeit ginge, na ja, dann kämst Du wohl darüber hinweg, wenn sich
hinterher herausstellte, dass Du im Unrecht warst. Für das nächste Mal weißt Du
es dann. Bei der Bekehrung geht es aber darum, wo Du die Ewigkeit zubringen
wirst. Das sollte doch so wichtig sein, dass Du Dir darüber Klarheit
verschaffst.
Hast Du schon einmal über die Ewigkeit nachgedacht?
Ich bin darin mit Dir eins, dass wir sie nie begreifen werden, bis wir dort
sind. Aber es ist doch der Mühe wert, einmal darüber nachzudenken, um doch
wenigstens einen kleinen Eindruck davon zu bekommen, nicht wahr?
Ich las einmal eine Legende von einem sehr klugen
Jungen, den der König des Landes auf die Probe stellen wollte. Er fragte ihn:
"Wie lange dauert die Ewigkeit?"
Der Junge antwortete: "O König, in einem fernen Land gibt es einen sehr
hohen Berg, dessen Gipfel weit über die Wolken ragt. Dieser Berg ist aus Erz.
Einmal in hundert Jahren kommt ein Vögelchen, das seinen Schnabel an dem Berg
wetzt. Sobald der Berg auf diese Weise so abgenutzt ist, dass man ihn nicht
mehr sehen kann, ist eine Sekunde der Ewigkeit vorüber."
Gibt diese Antwort nicht einen Eindruck von der
Unendlichkeit der Ewigkeit? Dabei stimmt sie noch nicht einmal, weil es in der
Ewigkeit keine Sekunden gibt. Da sind tausend Jahre wie ein Tag, aber auch ein
Tag wie tausend Jahre (2. Petr 3, 8). Die Ewigkeit hat kein Ende, und darum
gibt es auch kein Maß, mit dem man sie messen kann.
Und doch lässt uns diese Geschichte etwas von dem
Verhältnis zwischen der Zeit unseres irdischen Lebens und der darauf folgenden
Ewigkeit erkennen. Was sind 10, 50, 80 oder sogar 100 Jahre im Vergleich mit
der Ewigkeit? Ist es da nicht wichtig zu wissen, wo und wie wir sie zubringen
werden?
Ich denke wieder an eine alte Geschichte. Du weißt,
dass sich im Mittelalter die meisten Fürsten Hofnarren hielten. Das waren meist
mißgestaltete Menschen, die dann noch komische Kleider trugen und durch ihre
Späße und dummen Bemerkungen ihre Herren aufmuntern mußten. Das waren die
Clowns der damaligen Zeit.
Ein Fürst nun verlieh seinem Narren eine Narrenkappe (eine Zipfelmütze mit
Glöckchen daran) und ein Narrenzepter als Zeichen seiner Würde mit der
Bedingung, dass er diese Dinge demjenigen geben müsse, der noch größeren Unsinn
treiben würde als er.
Bald darauf wurde der Fürst ernsthaft krank. Der Narr besuchte ihn und fragte,
ob er bald wieder gesund würde. Der Fürst anwortete, die Ärzte hätten gesagt,
auf Besserung sei nicht mehr zu hoffen, er müsse bald sterben.
"Na", sagte der Narr, "Ihr habt sicher Eure Vorbereitungen für
die große Reise getroffen und dafür gesorgt, dass alles für Euren Empfang
gerüstet ist."
"Nein", sagte der König, "das ist ja das Furchtbare, ich weiß
nicht, wie ich empfangen werde."
"Aber wußtet Ihr denn nicht, dass Ihr diese Reise einmal machen
müsstet?"
"Ich wußte es wohl, aber ich habe mich nie damit beschäftigt. Es gab so
viele andere Dinge zu erledigen."
"Aber", sagte der Narr, "wenn Ihr einen Tag auf Reisen ginget,
so ritt ein Herold voraus und sorgte, dass Essen und Trinken usw. da war. Wenn
Ihr einige Wochen oder gar Monate irgendwo hinginget, dann wurde lange Zeit
vorher alles geregelt. Etliche Tage vor der Reise gingen verschiedene Diener
los, um alles geordnet zu haben, wenn Ihr kamt. Und für diese große Reise nach
dem Ort, an dem Ihr immer bleiben werdet, habt Ihr Euch überhaupt nicht
gerüstet? Hier habt Ihr die Narrenkappe und das Zepter zurück, denn so närrisch
bin ich doch niemals gewesen." Hatte der Narr nicht recht?
Erst bist Du mehr als zehn Jahre zur Schule gegangen,
und nun arbeitest Du tagsüber und lernst abends noch, um bald einen guten
Posten zu erhalten. So mühst Du Dich wohl zwanzig Jahre, um dafür vielleicht
vierzig Jahre gut zu verdienen und um danach, wenn möglich, zehn, und wenn Du
besonders alt wirst, zwanzig Jahre von Deiner Pension oder von den Ersparnissen
zu leben. Was würdest Du von Eltern sagen, die ihre Kinder nicht zur Schule
schickten und sie auch keinen Beruf lernen ließen, weil sie meinen: Lass sie
ruhig spielen, die Kinder denken ja gar nicht an die Zukunft, und wenn sie so
alt sind, dass sie für sich selbst sorgen müssen, na ja, dann lass sie zusehen,
wie sie fertig werden!
Wenn Du Dich nun so abmühst und so viele Jahre Deines
Lebens opferst, um höchstens fünfzig oder sechzig Jahre Dein gutes Auskommen zu
haben, ist es dann nicht unverantwortlich, nicht an die Ewigkeit zu denken und
sich nicht mit der Frage zu beschäftigen: Wo werde ich die Ewigkeit zubringen?
Und darüber hinaus weißt Du ja überhaupt nicht, ob Du die gute Stellung
bekommst, ob Du nicht krank wirst oder sogar sterben musst, bevor Du soweit
bist. Aber, dass die Ewigkeit auf Dich wartet, das weißt Du gewiss! "Es
ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben", dies Bibelwort ist noch nie
bezweifelt worden, nicht einmal von den größten Spöttern und verstocktesten
Gottesleugnern. Sie können es nicht antasten, man würde sie sonst auslachen; denn
wer hat den Tod noch nicht in seiner Nähe gespürt?
Aber wie geht dieser Vers aus Hebr 9 weiter? -
"Und danach das Gericht!" Ist es da nicht eine
unverantwortliche Torheit, sich um nichts zu bekümmern und alles ruhig auf sich
zukommen zu lassen? Ganz gewiss, dann wirst Du von selbst merken, w o Du die
Ewigkeit zubringen wirst. Aber . . . dann wird sich in aller Ewigkeit nichts
mehr ändern. "An dem Orte, wo der Baum fällt, da bleibt er liegen"
(Pred 11,3).
Nun wirst Du sagen: Na ja, aber so eilig habe ich es
doch nicht! Ich habe sowieso schon so viel zu tun. Auch willst Du Dich in
Deiner Freizeit nicht mit so düsteren Dingen wie Tod und Sterben abgeben. Du
meinst, Du könntest das auch noch, wenn Du etwas älter bist, wenn Du etwas von
Deinem Leben genossen hast und mehr Zeit findest, über das Sterben
nachzudenken.
Weißt Du, ob Du noch fünfzig Jahre leben wirst? Oder noch dreißig? Oder nur
zehn? Oder nur noch zwölf Monate oder auch nur zwölf Stunden?
Ich denke an einen Händler in Holland, der hinter
seiner Ladentür auf einen Straßenprediger lauschte. Als die Ansprache zu Ende
war, ging er in sein Wohnzimmer, setzte sich auf einen Stuhl - und war tot!
Selbst wenn Du noch lange lebst, willst Du dann,
solange Du kräftig und gesund bist, tun was D u willst und den Rest dann Gott
überlassen? Wenn Du das so machen willst (und Du am Leben bleibst), wird Gott
Dich dann auch noch annehmen?
Sicher, "Gott will, dass alle Menschen errettet werden" (1. Tim 2,
4), Er ruft allen Menschen zu: "Laßt euch versöhnen mit Gott" (2. Kor
5, 20)! Er hat den Mörder am Kreuz und tausend andere, die sich auf dem
Sterbebett zu Ihm bekehrten, angenommen. Ich selbst habe eine Frau gekannt, die
85 Jahre alt war, als sie zur Bekehrung kam.
Aber in Hiob 33 steht auch, dass Gott zwei- oder dreimal
mit dem Menschen redet, und wenn der Mensch nicht aufmerkt, so "besiegelt
er seine Unterweisung".
Nachdem der Pharao sich einige Male geweigert hatte zu
gehorchen, verhärtete Gott sein Herz, so dass er sich danach nicht mehr
bekehren konnte.
Nach der Entrückung der Gemeinde wird Gott allen, die
das Evangelium gehört, aber nicht geglaubt haben, "eine wirksame Kraft des
Irrtums" senden, "auf dass alle gerichtet werden, die der Wahrheit
nicht geglaubt haben" (2. Thess 2, 11. 12). Das kann Gott auch mit Dir
tun, wenn Du immer wieder seine Einladung, Dich zu bekehren, abschlägst.
"Nachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, gebietet er
jetzt den Menschen, dass sie alle allenthalben Buße tun sollen, weil er einen
Tag gesetzt hat, an welchem er den Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit durch
einen Mann, den er dazu bestimmt hat und hat allen den Beweis davon gegeben,
indem er ihn auferweckt hat aus den Toten" (Apg 17, 30. 31).
Solltest Du nicht doch Ernst machen, und mit dem
Bekenntnis Deiner Sünden und der Bitte, dass Er Dich annehmen möge, jetzt
gleich zu Gott kommen?
"So sind wir nun Gesandte für Christum, als ob
Gott durch uns ermahnte; wir bitten an Christi Statt: Lasst euch versöhnen mit
Gott! Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, auf dass
wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm" (2. Kor 5, 20. 21).
"Heute, wenn ihr seine Stimme höret, verhärtet
eure Herzen nicht" (Hebr 4, 7)!
Mit herzlichen Grüßen
Dein H. L. H.
entnommen aus
H.L. Heijkoop: Briefe an junge Menschen, EPV, S. 5ff
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