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Durchgeknallte
Typen lassen sich in jeder Drogenszene
finden. Mir ist manch einer begegnet,
der mehr kiffte, als ihm gut tat. Cannabis-Konsumenten, mit denen ich
befreundet war, bekamen Depressionen, steigerten sich in Wahnvorstellungen
hinein oder hörten Stimmen, die sie nur in ihrem Kopf hörten. Mir selbst ist
erst, nachdem ich mehrere Einweisungen in die Psychiatrie hinter mir hatte,
klar geworden, dass es so nicht mehr weiter gehen konnte und ich gut daran
täte, mit dem Kiffen aufzuhören. Allerdings muss ich einräumen, dass ich neben
meinem übermäßigen Konsum von Cannabis damals über Jahre auch oft LSD
eingenommen habe.
Nicht allen
Cannabiskonsumierenden ergeht es wie mir, aber viele dürften schon mal
Erfahrungen gemacht haben, die einer Psychose nicht unähnlich sind, wie zum
Beispiel heftige Angstsymptome nach dem Kiffen. Psychotische Symptome haben
einschneidende Auswirkungen auf das Erleben der Betroffenen. Oft verschwinden
die Symptome nach Abklingen der Wirkung wieder. Bleiben die Symptome aber auch
nach längerer Zeit bestehen, so kann es sein, dass eine Schizophrenie vorliegt.
Schizophrenie
wird eine besondere Form der Psychose genannt. Sie ist eine sehr ernsthafte
psychische Erkrankung, die meist zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr zum ersten
Mal auftritt. Damit einher geht immer ein Realitätsverlust, der durch
Wahnvorstellungen wie z. B. Verfolgungswahn und/oder Halluzinationen
gekennzeichnet ist. Oftmals kapseln sich Betroffene vollständig von der Umwelt
ab, manche begehen in ihrer Verzweiflung Selbstmord.
Sind nun alle
Kiffer von einer Psychose oder gar von Schizophrenie bedroht? Die Frage mag
überspitzt formuliert klingen, ist aber genau so schon sehr häufig an mich herangetragen
worden.
Trotz einer Vielzahl
an zum Teil auch sehr aufwändigen Studien zum Ursache-Wirkungs-Zusammenhang bei
Cannabiskonsum und Psychose konnte dies bisher nicht abschließend geklärt
werden. Denn es sind hier verschiedene Erklärungsmodelle denkbar: Der Cannabiskonsum
alleine könnte die Ursache sein für den Ausbruch einer Psychose, die unter
anderen Umständen nicht aufgetreten wäre. Dann müsste man von einer
eigenständigen „Cannabispsychose“ sprechen. Ebenso ist denkbar, dass der
Cannabiskonsum nur bei den Personen eine Psychose auslöst, die bereits anfällig
hierfür sind. Cannabiskonsum wäre in diesen Fällen nicht die alleinige Ursache,
sondern würde lediglich bewirken, dass die unterschwellig vorhandene Psychose
zum Ausbruch kommt. Kiffen wäre also der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass
zum Überlaufen bringt. Möglich ist auch, dass Psychose-gefährdete Personen ein
besonderes Faible für das Kiffen haben. Der Konsum wäre dann eher Folge als
Ursache einer Psychose oder einfach nur ein Begleiterscheinung ohne ursächlichen
Zusammenhang. Aufgrund persönlicher Erfahrungen sowie zahlreicher Beobachtungen
im persönlichen Umfeld vermute ich, dass die Einnahme
von LSD und anderen psychedelischen Drogen zusätzlich zum Cannabiskonsum das Risiko, an einer
drogeninduzierten Psychose zu erkranken, nochmals erheblich steigert.
Klingt
kompliziert, ist es auch. So hat auch die Wissenschaft noch keine eindeutige
Antwort auf diese Fragen liefern können. In den aktuellen Studien zu diesem
Thema kristallisiert sich allerdings eine Tendenz für die so genannte Trigger-Hypothese
ab. Das heißt, Cannabiskonsum ist sehr wahrscheinlich nicht Verursacher, aber
Auslöser (engl. trigger) einer Psychose, wenn die Personen anfällig sind für
psychotische Erkrankungen. Zu diesem Schluss
kommt beispielsweise ein Expertenteam aus Australien nach Durchsicht mehrerer
Längsschnittstudien. Die Hypothese einer eigenständigen „Cannabispsychose“ kann
das Autorenteam - Louisa Degenhardt und Wayne Hall - nicht bestätigen. Vielmehr
würden in den Fällen, bei denen sich infolge von Cannabiskonsum eine dauerhafte
Psychose etabliert hat, meist die Symptome einer Schizophrenie diagnostiziert.
Frau Dr.
Jockers-Scherübl, Chefärztin der Psychiatrischen Klinik Hennigsdorf, erläuterte
in einem Interview mit Drugcom , dass man bei der Entstehung einer Schizophrenie
vom so genannten Vulnerabilitäts-Stress-Model ausgehen muss. Demnach gibt es
neben einer möglicherweise genetisch bedingten Anfälligkeit auch eine Reihe an
erworbenen Stress-Faktoren wie bestimmte Kindheitserfahrungen oder Infektionen,
Schwierigkeiten in der Familie, mit dem Partner oder dem Arbeitsplatz. Wenn
jemand dann noch zusätzlich Cannabis konsumiert, kann Cannabis psychotische
Erkrankungen oder auch Schizophrenien auslösen, und zwar umso wahrscheinlicher
je empfindlicher jemand dafür ist und je früher er mit dem Konsum beginnt.
[zum Interview]
Ähnlich fasst es
ein Team aus US-amerikanischen Forschern um Studienleiter Deepak D’Souza
zusammen, die 2009 einen Übersichtsartikel veröffentlicht haben. Auch sie gehen
davon aus, dass Cannabis lediglich eine Komponente im Geflecht möglicher
Ursachen ist. Cannabis alleine sei weder hinreichend noch notwendig, um eine
Psychose auszulösen. Oder anders ausgedrückt: Kiffen alleine macht noch nicht
verrückt. Erst durch das Zusammenspiel mit anderen Komponenten werde Cannabis
zum Auslöser von psychotischen Erkrankungen. Dafür spricht auch die Tatsache,
dass von den etwa 9 Millionen Menschen, die in Deutschland schon mal Cannabis
konsumiert haben, nur ein sehr kleiner Teil irgendwann in ihrem Leben eine
Psychose entwickelt.
Wie hoch ist denn
nun das Risiko, mag sich der eine oder die andere fragen? Ein britisches
Forschungsteam um Stanley Zammit hat sich mit dieser Frage beschäftigt. Das
Team hat hierzu eine Meta-Analyse durchgeführt, in der sie 35 Einzelstudien
einbezogen. Meta-Analysen haben eine sehr viel stärkere Aussagekraft als
Einzelstudien. Die Forscherinnen und Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass
Cannabiskonsumierende ein um 41 Prozent höheres Risiko für eine Psychose haben,
als abstinente Personen. Dabei fanden sie zudem eine Dosis-abhängige Beziehung.
Das bedeutet, je mehr eine Person kifft, desto höher ist ihr Risiko, zu
erkranken. Dazu muss man aber auch wissen, dass das generelle Risiko, an einer
Schizophrenie zu erkranken weltweit bei etwa 1 Prozent liegt. Aufgrund des
generellen Erkrankungsrisikos ist demnach zu erwarten, dass von 10.000
Cannabiskonsumierenden etwa 100 an Schizophrenie erkranken, unabhängig vom
Konsum. Durch den Konsum würde sich die Anzahl Erkrankter auf 141 erhöhen.
Als Erklärung für
das erhöhte Psychose-Risiko wird meist auf die biologische Wirkung von Cannabis
im Gehirn verwiesen. So werden bestimmte Hirnbotenstoffe wie Dopamin, die bei
der Ausbildung psychotischer Symptome eine Rolle spielen, durch Cannabis
beeinflusst. Zudem bestehe der Verdacht, dass die körpereigenen Cannabinoid-Rezeptoren
bei Schizophrenie und anderen psychotischen Erkrankungen beteiligt sind.
Zumindest legen verschiedene Studienergebnisse diesen Schluss nahe. Dies müsse
aber noch durch weitere Forschung abgesichert werden.
Als ausreichend
belegt gilt hingegen die Annahme, dass sich besonders der frühe Einstieg in das
regelmäßige Kiffen negativ auf die Hirnentwicklung auswirkt. Denn das Gehirn
vollzieht noch wichtige Entwicklungsschritte in der Pubertät. Es wird vermutet,
dass die körpereigenen Endocannabinoide dabei eine wichtige Rolle spielen.
Allerdings nur in bestimmten Hirnregionen und in zur Reifung erforderlichen
Mengen. Wenn ein Jugendlicher kifft, wird das Gehirn mit Cannabinoiden jedoch
regelrecht geflutet. Denn der Wirkstoff THC bindet an denselben Rezeptoren wie
körpereigene Endocannabinoide. Durch das Überangebot und die daraus
resultierende Überstimulation können sich möglicherweise Veränderungen
abspielen, die sich zum einen negativ auf die kognitiven Leistungen auswirken
können und zum anderen auch eine stärkere Anfälligkeit für Psychosen zur Folgen
haben kann. Erst kürzlich wurde in einer Langzeitstudie ermittelt, dass frühe
Einsteiger ein etwa doppelt so hohes Risiko haben, an Schizophrenie zu erkranken,
wie abstinente Teenager.
In der
wissenschaftlichen Literatur wird auch darauf hingewiesen, dass zunehmend
stärkeres Cannabis auf den Markt kommt, vor allem wenn es aus so genannten
Indooranlagen kommt. Darin werden bestimmte Cannabissorten gezielt gezüchtet,
um den THC-Gehalt zu erhöhen. In einer Studie aus Großbritannien konnte
nachgewiesen werden, dass nicht nur der THC-Gehalt mit der Züchtung steigt,
sondern im Gegenzug auch der Anteil an Cannabidiol (CBD) abnimmt. Cannabidiol
ist ein Abbauprodukt, das entsteht, wenn Cannabis längere Zeit gelagert oder
erhitzt wird. Cannabidiol selbst hat keine psychoaktive Wirkung, es kann aber
den Rausch, der durch THC erzeugt wird, abmildern und würde eine gewisse
Schutzfunktion gegen psychotische Effekte mit sich bringen. Konsumierende
fühlen sich dann eher entspannt bis schläfrig. Durch die Abwesenheit von
Cannabidiol wird der Rausch deutlich intensiver und halluzinogener. Dies erhöhe
nach Ansicht der Autoren das Psychoserisiko, da die Dosis - wie oben erläutert
- hierbei eine Rolle spielt.
Fazit
Grundsätzlich
müssen sich Cannabiskonsumentinnen und -konsumenten im Klaren sein, dass sie
mit dem Kiffen ein höheres Risiko für eine Psychose haben, als abstinente
Personen. Kiffer, die eine intensive Wirkung bevorzugen und dabei zudem auf
hochpotentes Gras zurückgreifen, sind besonders gefährdet, wobei der zusätzliche Gebrauch von LSD und anderen psychedelischen Drogen, so sind jedenfalls meine Erfahrungen, dies Risiko noch beträchtlich erhöhen.Generell gilt: Je
intensiver der Konsum desto höher das Risiko. Wer zudem bereits an
Schizophrenie erkrankte Personen in der Familie hat oder gewisse psychoseähnliche
Symptome bei sich entdeckt, sollte besser die Finger vom Kiffen lassen.
Joe unter zur Hilfenahme eines Artikels von
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