Umfragen
zufolge ist der Cannabiskonsum in Deutschland rückläufig. Allerdings
sinken die Konsumzahlen nur leicht und das von einem hohen Niveau.
Cannabis ist also nachwievor die am häufigsten konsumierte illegale
Droge in Deutschland. Die meisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen
belassen es aber beim Probierkonsum oder kiffen nur gelegentlich.
Manche Konsumentinnen und Konsumenten sind aber besonders empfänglich
für die entspannende Wirkung und kiffen mehr als ihnen gut tut. Nach
langjährigem Konsum machen sich dann Folgeprobleme bemerkbar, die
irgendwann überhandnehmen und nicht ohne weiteres in den Griff zu
kriegen sind. Professionelle Unterstützung könnte den Betroffenen dabei
helfen. Die Angebote hierfür sind vielfältig. Doch viel zu selten
werden diese in Anspruch genommen, obwohl sie nachweislich helfen.
Drogenabhängigkeit - dieses „schlimme“ Wort ruft
allerlei Assoziationen hervor, die bei den meisten Menschen mit eher negativen
Begriffen wie „Verelendung“ oder „Junkie“ in Verbindung gebracht werden.
„Harte“ Drogen wie Heroin oder Crack passen dazu. Cannabis hingegen bringen
wohl die Wenigsten spontan mit dem Thema Abhängigkeit in Zusammenhang. Dabei
darf aber nicht vergessen werden, dass auch der Konsum von Cannabis eine
Abhängigkeit nach sich ziehen kann, die manchmal verheerende Konsequenzen für
die Betroffenen mit sich bringt. Zwar gehört der körperliche Verfall, der bei
Opiatabhängigen häufig zu beobachten ist, nicht zu den typischen Erscheinungen
einer Cannabisabhängigkeit, oft erleben die Betroffenen aber ernsthafte
psychische und soziale Probleme, sei es in der Schule, am Arbeitsplatz oder in
der Partnerschaft.
Probleme bei
Cannabiskonsum
Wie weit verbreitet ist eigentlich der problematische
Cannabiskonsum in der Bevölkerung? Um diese Frage zu beantworten, hat ein
Forschungsteam um Professor Hans-Ulrich Wittchen eine repräsentative Studie in
München und dem Münchner Umland durchgeführt. Darin wurden über 3.000
Jugendliche und junge Erwachsene intensiv zu ihrem Drogenkonsum befragt. Dabei
stellte sich heraus, dass 17 Prozent aller befragten 14- bis 24-Jährigen
Probleme oder sogar eine Abhängigkeit in Zusammenhang mit ihrem Cannabiskonsum
entwickelt haben. Am häufigsten genannt waren soziale Probleme beispielsweise
mit den Eltern oder den Freundinnen und Freunden.
Aber auch psychische Probleme spielen eine wichtige
Rolle. Depressionen und Ängste sind oft Begleiterscheinungen oder sogar die
treibende Kraft für den Konsum. Bekannt ist, dass Personen, die unter sozialer Ängstlichkeit leiden, häufig Cannabis
dazu benutzen, um sich zu entspannen. Das Fatale daran ist, dass sie durch die
„Eigenbehandlung“ mit Cannabis in einen Kreislauf geraten. Denn der Konsum
selber fördert auch Angstsymptome, die wiederum zum Anlass genommen werden,
weiter zu konsumieren. Langfristig betrachtet kann das Kiffen bei vorhandenen
Angststörungen somit zu einer Verschlimmerung der Symptomatik führen. Das
Gleiche gilt auch für Depressionen. Zunächst mag Cannabis entspannend und
stimmungsaufhellend wirken. Dauerhafter Cannabiskonsum kann aber wiederum
Depressionen fördern.
Entzugserscheinungen
Viele, die schließlich - oft nach langjährigem Konsum
- versuchen, den Konsum eigenständig zu reduzieren, stellen dann fest, dass die
ersten Versuche nicht optimal verlaufen. Sie erleben Entzugserscheinungen und den intensiven Wunsch, wieder zu kiffen. Eine
Forschungsgruppe um Alan Budney hat 2004 einen Übersichtsartikel zu
Entzugserscheinungen bei Cannabiskonsum veröffentlicht. Die Autoren stellten
fest, dass etwa zwei Drittel aller Cannabisabhängigen, die eine Behandlung
aufsuchen, vier oder mehr Entzugssymptome von zumindest mittlerer Intensität
aufweisen. Der Schweregrad der Entzugssymptome sei dabei in etwa vergleichbar
mit dem Entzug bei einer Nikotinabhängigkeit. Allerdings können Entzugssymptome
individuell sehr unterschiedlich erlebt werden.
Zu wenige
nehmen Hilfe in Anspruch
Trotz der offenkundig weiten Verbreitung des
problematischen Konsums nimmt jedoch nur eine Minderheit professionelle Hilfe
in Anspruch. In der oben zitierten Studie aus der Region München gab nur ein
Drittel der Personen, die einen problematischen Konsum aufweisen, an, jemals
fachliche Unterstützung wegen ihres Cannabiskonsums aufgesucht zu haben. Meist
handelte es sich um psychotherapeutische Hilfe, was dafür spricht, dass auch
andere psychische Probleme außer dem Konsum eine Rolle spielen. Nur eine
Minderheit hat sich direkt an eine Drogenberatungsstelle gewendet.
Dass professionelle Beratung nur in den wenigsten
Fällen genutzt wird, hat vermutlich verschiedene Gründe. Sei es aus Scham,
sowohl sich selbst als einer zunächst fremden Person gegenüber die eigenen
Probleme einzugestehen oder sei es, dass die persönlichen Schwierigkeiten als
zu unbedeutend betrachtet werden, als dass hierfür ein „Seelenklempner“
aufzusuchen wäre. Tatsache aber ist, je eher jemand sich mit seinem Konsum
offen auseinandersetzt und hierfür fachkundige Hilfe in Anspruch nimmt, desto
wahrscheinlicher ist es, dass sie ihren Konsum erfolgreich reduzieren oder ganz
einstellen wird.
Was bei der
Beratung passiert
Die Erfahrungen aus der Beratung im Rahmen von
„drugcom.de“ zeigen uns auch, das viele der Nutzerinnen und Nutzer oft nicht
wissen, was Beratung eigentlich ist und wie diese abläuft. Unter der Rubrik
„häufig gestellte Fragen“ werden daher die wichtigsten Themen zu Beratung und Therapie behandelt. Vereinfacht
gesagt geht es in der Beratung darum, über die Sorgen oder Ängste zu sprechen,
um gemeinsam Lösungsmöglichkeiten zu finden oder weiterführende
Hilfsmöglichkeiten zu erörtern.
Mittlerweile gibt es ein vielfältiges Beratungsangebot
für Cannabiskonsumierende in Deutschland. So haben viele Drogenberatungsstellen
sich auf den Trend, dass ihre Klientel immer häufiger überwiegend mit
Cannabisproblemen zu ihnen kommt, eingestellt und bieten spezielle
Beratungsprogramme für Cannabiskonsumentinnen und -konsumenten an. Beispiele
hierfür sind die Beratungsprogramme „ Realize it “ oder „CANDIS“.
Gemeinsam haben diese Programme, dass es in mehreren Gesprächsterminen darum
geht, die persönliche Situation zu analysieren, um Handlungsalternativen und
damit konkrete Wege aus der Abhängigkeit zu entwickeln.
Beratung online
Wer es lieber online mag, für den bietet das Internet
auch einige Beratungsmöglichkeiten. Viele Drogenberatungsstellen
haben zusätzlich die Möglichkeit geschaffen, per Chat oder E-Mail kontaktiert
zu werden. Eine ausschließlich online durchgeführte und auf die Belange von
Cannabiskonsumierenden hin spezialisierte Beratung bietet „drugcom.de“ mit dem
Programm „ quit the shit “ . Hier werden Ratsuchende
individuell und durch erfahrene Beraterinnen und Berater darin unterstützt,
ihren Cannabiskonsum zu reduzieren oder ganz einzustellen. Erst kürzlich konnte
in einer wissenschaftlichen Studie belegt werden, dass die Teilnehmerinnen und
Teilnehmer von „quit the shit“ ihren Cannabiskonsum signifikant im Vergleich zu
einer Kontrollgruppe senken. Gleichzeitig verbessert sich ihr psychisches
Befinden. Angst und Depressivität nehmen ab und die Lebenszufriedenheit nimmt
zu.
Wer sich noch nicht sicher ist, wie es um den eigenen
Cannabiskonsum steht, der kann bei „drugcom.de“ auch einen Selbsttest durchführen, der unmittelbar die
Risiken des Konsumverhaltens analysiert. Alle Angebote auf „drugcom.de“ können
übrigens anonym und kostenlos genutzt werden.
Info:
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