Der Schlaf hat eine wichtige Funktion für den Organismus. Die Organe
laufen auf Sparflamme, der Körper regeneriert sich. Gesunder Schlaf
macht sich auch in unserer Gemütslage bemerkbar. Ausgeschlafen fühlen
wir uns fit und erholt. Der Schlaf hat sogar Einfluss auf die
Gedächtnisbildung. Was am Tag gelernt wurde verfestigt sich im Schlaf.
Ist der Schlaf gestört hat dies wiederum negative Folgen für die
kognitiven Funktionen. Ecstasy - so scheint es aktuellen Studien
zufolge -kann die Schlafqualität mindern und sogar zu Atemaussetzern
führen. Vermutet wird, dass die Schlafprobleme maßgeblich an den
schlechteren kognitiven Leistungen Ecstasykonsumierender beteiligt sind.
Zahlreiche Studien weisen darauf hin, dass Ecstasykonsumierende
schlechtere kognitive Leistungen erbringen als Personen, die kein
Ecstasy konsumieren. Dabei hat sich ein dosisabhängiger Effekt gezeigt.
Das heißt, je mehr Ecstasy konsumiert wurde, desto stärker sind die
kognitiven Einschränkungen. Es wird davon ausgegangen, dass sich dieser
Effekt auf Schädigungen serotonerger Nervenzellen zurückführen lässt,
sprich: das Gehirn wird durch Ecstasy geschädigt.
Ein
Forschungsteam um Studienleiterin Una McCann von der Johns Hopkins
School of Medicine in den USA hat nun einen neuen Aspekt in die
aktuelle Diskussion eingebracht. Sie und ihr Team vermuten, dass die
Leistungsunterschiede bei Gedächtnisaufgaben auch auf eine
verschlechterte Schlafqualität bei den Konsumierenden zurückzuführen
sind. Studien belegen, dass das serotonerge System, dass durch den
Ecstasykonsum geschädigt wird, vielfältig in die Steuerung des
Schlafverhaltens eingreift. So wird beispielsweise der
Tag-Nacht-Rhythmus oder die Erregung des Großhirns durch den Botenstoff
Serotonin beeinflusst. Die schlechte Schlafqualität habe wiederum
negative Auswirkungen auf die kognitive Leistungsfähigkeit.
Leistungseinbruch bei Schlafmangel
Zur
Überprüfung ihrer Hypothese führte das Forschungsteam ein Experiment
durch, in dem die Probandinnen und Probanden 40 Stunden nicht schlafen
durften. Daran beteiligt waren 19 Ecstasykonsumierende und 25 Personen
einer Kontrollgruppe, die zwar schon mal Drogen, aber noch nie Ecstasy
konsumiert hatten. Die Personen der Ecstasygruppe zeigten schon vor
Beginn des Schlafentzugs etwas schlechtere kognitive Leistungen als die
Kontrollgruppe. Während des eigentlichen Experiments zeigte sich, dass
Ecstasykonsumierende stärker von den Effekten des Schlafentzugs
betroffen waren als Personen der Kontrollgruppe. Analysen konnten
aufdecken, dass die Defizite in der kognitiven Leistungsfähigkeit sich
in erster Linie durch eine erhöhte Impulsivität erklären ließen.
Üblicherweise würden gesunde Menschen Aufgaben bei Schlafentzug
langsamer ausführen, um den Konzentrationsmangel auszugleichen. Die
Ecstasykonsumierenden reagierten auf Müdigkeit jedoch mit Hektik und
produzierten in der Folge mehr Fehler.
Besonders auffällig seien
die Unterschiede zwischen den Untersuchungsgruppen bei Aufgaben
gewesen, die eine gleichbleibende Aufmerksamkeit erforderten. Die
Forscherinnen und Forscher vermuten, dass ein Effekt der als
Mikroschlaf bekannt ist, dazu beigetragen hat, dass die übermüdeten
Personen der Ecstasygruppe bestimmte Aufgaben regelrecht „verschlafen“
haben.
In ihrem Fachartikel erklären die Autorinnen und Autoren,
dass die üblicherweise eher kleinen Unterschiede zwischen
Ecstasykonsumierenden und Kontrollgruppen vermutlich darauf
zurückzuführen sind, dass ausgleichende Prozesse im Gehirn die Defekte
überdecken. Erst wenn Stress hinzukommt, wie beispielsweise
Schlafentzug, würden diese ausgleichenden Mechanismen außer Gefecht
gesetzt, mit der Folge, dass die kognitive Leistungsfähigkeit stärker
abfällt.
Unklar blieb aber, ob und wie der Konsum von Ecstasy den
Schlaf beeinflusst. Um diese Frage zu beantworten, untersuchten Una
McCann und ihr Team eine weitere Gruppe von Ecstasykonsumierenden und
Kontrollpersonen im Schlaflabor.
Rachenmuskulatur vermutlich durch Serotonin gesteuert
Die
Forscherinnen und Forscher gehen von der Annahme aus, dass nicht nur
der Schlaf-Wach-Rhythmus, sondern auch die Rachenmuskulatur durch das
serotonerge System gesteuert wird. Durch ein Erschlaffen der
Rachenmuskulatur im Schlaf kann es zu einem Verschluss der oberen
Luftwege kommen. Diese Atemstillstände werden als Schlafapnoe
bezeichnet. Der Atemstillstand kann von zehn Sekunden bis zu einer
Minute dauern. Typisch dafür ist das laute „nach Luft schnappen“ in der
Folge eines Stillstands. Begleitet wird die Schlafapnoe stets durch
mehr oder weniger lautes Schnarchen. Am folgenden Tag erwachen die
Betroffenen unausgeschlafen, fühlen sich erschöpft und können sich
schlechter konzentrieren.
71 Personen mit Ecstasyerfahrung
konnten für die Untersuchung gewonnen werden. Voraussetzung war, dass
sie zu mindestens 25 Anlässen Ecstasy konsumiert hatten. Zur Kontrolle
wurden 62 Personen eingeladen, die auch Drogenerfahrung aufwiesen, aber
ohne Ecstasy. Für alle galt, dass zwei Wochen vor Beginn der
Untersuchung keine Drogen konsumiert werden durften. Die Einhaltung
dieser Bedingung wurde mittels Urinkontrolle überprüft. Alle
Versuchspersonen waren hinsichtlich Alter, Geschlecht und
Body-Mass-Index vergleichbar.
Im Rahmen des Experiments wurde
eine Untersuchung und Messung bestimmter biologischer Parameter im
Schlaf, die so genannte Polysomnographie durchgeführt. Dazu wurden den
Probandinnen und Probanden Sensoren an verschiedenen Körperstellen
angelegt, um Gehirn- und Muskelaktivität, Herz- und Atmungsfunktion
sowie Sauerstoffgehalt im Blut zu messen. Die Daten geben Aufschluss
darüber, ob und wenn ja wie viele Atemstillstände im
Beobachtungszeitraum auftreten. Um vergleichbare Werte zu erhalten
mussten die Teilnehmenden zur gleichen Zeit schlafen.
Bis zu achtmal mehr Schlafapnoen
Nach
Auswertung der Messergebisse zeigte sich ein deutlicher Unterschied
zwischen den Gruppen: Die Ecstasykonsumierenden hatten signifikant
häufiger Atemstillstände als die Kontrollgruppe. In bestimmten
Schlafphasen kam es bei den Ecstasynutzerinnen und -nutzern zu achtmal
mehr Atemaussetzern als in der Vergleichsgruppe. Analysen konnten zudem
aufzeigen, dass die Häufigkeit der Apnoen auch davon abhängt wie oft
die Probandinnen und Probanden in ihrem Leben Ecstasy konsumiert
hatten. Je mehr Ecstasy konsumiert wurde, desto höher ist die
Wahrscheinlichkeit Atemstillstände zu haben.
Fazit
Die
Ergebnisse der McCann-Gruppe geben Aufschluss darüber, wie der Konsum
von Ecstasy den Schlaf und dadurch auch die kognitive
Leistungsfähigkeit beeinflusst. Die Schlafqualität wird vor allem durch
häufige Atemaussetzer beeinträchtigt. Der dadurch verursachte
Sauerstoffmangel kann weitere schwerwiegende Erkrankungen nach sich
ziehen. So weisen Nancy Chamberlin und Clifford Saper in einem
Kommentar zur Studie von McCann hin, dass Schlafapnoen das Risiko für
schwerwiegende Erkrankungen wie Arteriosklerose, Schlaganfall oder
Herz-Kreislaufversagen erhöhen.
Info:
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