Freitag, 10. September 2010
 
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Die Bibel
Freitag, 10. September 2010
Der HERR hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.
Wir können's nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben.
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Weissagen, Zungenreden PDF Drucken E-Mail

Die Liebe vergeht nimmer; seien es aber Prophezeiungen, sie werden weggetan werden; seien es Sprachen, sie werden aufhören; sei es Erkenntnis, sie wird weggetan werden. Denn wir erkennen stückweise, und wir prophezeien stückweise;  wenn aber das Vollkommene gekommen sein wird, so wird das, was stückweise ist, weggetan werden.  Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind, urteilte wie ein Kind; als ich ein Mann wurde, tat ich weg, was kindisch war.  Denn wir sehen jetzt durch einen Spiegel, undeutlich, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, gleichwie auch ich erkannt worden bin.  Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die größte aber von diesen ist die Liebe. 
1.Korinther 13,8-13, Elberf. Übersetzung


Gibt es heute noch Prophezeiung?
Gibt es heute noch Sprachen?
Gibt es heute noch Erkenntnis?

Diese Fragen sollen uns auf den folgenden Seiten beschäftigen.

Für viele Christen bestehen allerdings keine Zweifel. Die einen sagen: „Warum sollte es das alles nicht mehr geben, wenn der HERR es doch einmal Seiner Gemeinde geschenkt hat?“ Andere sind überzeugt, daß die genannten Gaben GOTTES nur für die Zeit des Anfangs der Gemeinde JESU gegeben worden sind und daß diese Zeit nach nunmehr fast 2000 Jahren längst vorüber ist.
Es ist leicht einzusehen, daß wir eine gültige Antwort brauchen. Heißt diese: „Nein, es gibt weder Sprachenreden noch Erkenntnis noch Prophezeiung“, dann ist alles, was sich heute dafür ausgibt, falsch, Selbstbetrug und Irreführung anderer und muß darum so schnell und so konsequent wie möglich unterbunden werden. Anderseits: Wenn es das alles heute doch noch gibt, dann stehen wir in Gefahr, ungehorsam gegen die Anweisung von 1. Korinther 14, 1 zu sein: „Strebet nach der Liebe; eifert aber um die geistlichen Gaben, vielmehr aber, daß ihr weissaget!“
Wenn es heute noch Sprachen, Erkenntnis und Prophetie gibt, haben wir danach zu „eifern“. Jedenfalls dürfen wir nicht diejenigen unter uns verurteilen, in deren geistlichem Leben das alles seinen Platz hat.
Wenn es heute noch Sprachen, Erkenntnis und Prophetie gibt, versündigen wir uns, wenn wir GOTTES gute Gaben ablehnen.
Wir sehen, wie wichtig es ist, einmal stillzustehen und zu fragen: „Was sagt GOTTES Wort dazu?“

Um was es geht

Es geht darum, ob es heute noch die z. B. in 1. Korinther 12 aufgeführten Gnadengaben gibt und ob man damit rechnen darf, daß  unter uns auch heute noch Erkenntnis vorhanden ist

1.Korinther 13, 8ff. nennt nicht alle Geistesgaben, sondern – neben der Erkenntnis – nur noch Prophezeiungen und Sprachen.


Mit „Erkenntnis“ ist das griechische Wort „Gnosis“ übersetzt worden. Wir finden „gnosis“ 29x im Neuen Testament, z. B: Lukas 1,77; Römer 15,14; 1.Korinther 1,5; 2.Petrus 3,18. Wer diese (und auch die anderen) Textstellen liest, kann ahnen, wie schrecklich es ist, wenn diejenigen recht haben, die sagen, dass es heute keine Erkenntnis mehr gibt. Nicht nur, dass ohne Erkenntnis keine Enthaltsamkeit, kein Ausharren und  keine Gottseligkeit möglich wäre (lies 2. Petrus 1, 5ff!), sondern weil damit feststünde, dass die vielen Texte des Neuen Testamentes, die von Erkenntnis handeln, längst überholt wären. 

Ja, aber trotzdem müssen wir uns dem Wort der Schrift stellen.  Wenn es denn so ist, dann hat der HERR keinen Fehler gemacht, denn ER macht niemals einen Fehler. Wenn es denn so ist, dann müssen wir uns – wie gesagt – unter das Wort stellen und dürfen nicht einem Wunschdenken folgen.
Das Gleiche gilt auch für Prophezeiungen.  Prophezeiungen sind Weissagungen, griech: „propheteia“ = Prophetie, Weissagung, z.B.  Römer 12,6, 1.Korinther 13,8, 1.Thessalonicher 5,20 und an 17 weiteren Stellen). Das entsprechende Zeitwort heißt „propheteuo“. Es steht in 1.Korinther 11,4; 1. Korinther 14,1 und an 25 anderen Stellen. 1. Korinther 14,1 werden wir aufgefordert, „besonders“ um Weissagung zu „eifern“. Wenn Weissagung allerdings bereits „weggetan“ wurde, entfällt zwangsläufig dieses Gebot der Schrift.

"Sprache", griech. „glossa“, bedeutet „Zunge“; gemeint ist manchmal das Organ, oft wird das Wort im übertragenen Sinn gebraucht.
In Markus 7, 33, Lukas 16,24 und an 4 anderen Stellen bezeichnet „glossa“ die Zunge des Menschen.
Apostelgeschichte 2,11 und 8 weitere Stellen werden richtig mit „Sprache/Sprachen“ übersetzt.
Besonders im Brief des Jakobus, aber auch an anderen Stellen finden wir den Begriff „glossa“insgesamt10x als eine Bezeichnung unserer Fähigkeit und Bereitschaft zu reden.
Markus 16,17, 1. Korinther 12,10 und 22 weitere Stellen meinen eine Sprache, die auf übernatürliche Weise hervorgerufen wird.
In Apostelgeschichte 2,3 wird „glossa“benutzt, um die Form der feurigen Erscheinungen auf den Häuptern der Gläubigen zu beschreiben.
Von den insgesamt 50 Vorkommen von „glossa“im Neuen Testament sprechen 24 eindeutig von dem, was in 1. Korinther 13, 9 behandelt wird.
Es gibt verschiedene Arten von Sprachen.  Es heißt in 1.Korin-ther 12,10: ... einem anderen aber Wunderwirkungen, einem anderen aber Prophezeiung, einem anderen aber Unterscheidungen der Geister; einem anderen aber Arten von Sprachen, einem anderen aber Auslegung der Sprachen. Die Sprachenrede, von der Apostelgeschichte 2 berichtet, vollzog sich zweifellos anders als das, was in 1. Korinther 14 besprochen wird. Sprachenrede kann mittels einer besonderen Gnadengabe „ausgelegt“ werden. Für die Versammlung der Gemeinde ist vorgeschrieben, daß keine unausgelegte Sprachenrede zugelassen wird.      

Aufhören und weggetan werden

„...seien es aber Prophezeiungen, sie werden weggetan werden; seien es Sprachen, sie werden aufhören; sei es Erkenntnis, sie wird weggetan werden. Denn wir erkennen stückweise, und wir prophezeien stückweise ...“

GOTTES Wort sagt uns, daß Prophezeiungen und Erkenntnis „weggetan“ werden, daß Sprachen „aufhören“ werden.
„Wegtun“ (katargeo = unwirksam machen, außer Geltung setzen, zunichte machen, vertilgen, aufheben, beseitigen, entmachten ..., 27 x im NT) zeigt an, daß etwas beseitigt wird, weil es überholt (1.Korinther 13,11), unnütz (Lukas 13,7) oder gar schädlich (2.Thessalonicher 2,8) ist. .
Aus dem Textzusammenhang erfahren wir, daß Weissagung und Sprachenreden zu einer bestimmten Zeit überholt sind und „weggetan“ werden. Anders ist es mit den „Zungen“. Diese werden nicht „weggetan“, sie werden „aufhören“. Aufhören („pauo“ = zum Aufhören bringen, beruhigen, besänftigen, zurückhalten, zur Ruhe kommen, 15 x im NT) beinhaltet keine solche Wertung wie „katargeo“Etwas hört einfach auf. Die „Zunge“ ist eine Gnadengabe, die (wenn in Gottesfurcht damit umgegangen wird) nicht vom menschlichen Verstand beeinflußt wird. Weissagung und Erkenntnis können vom Verstand des Redenden oder Erkennenden beeinflußt werden. Sie müssen geprüft werden, weil menschliches Denken, Wünschen, Fühlen mit einfließen kann. Die „Zunge“ ist zwar für den Dienst in der Gemeinde weniger tauglich als Weissagung und Erkenntnis, aber sie ist doch geschützt vor Irrtum (was aber keinesfalls für die Auslegung gilt).

Wann?

Es wird ein bestimmtes Ereignis genannt: „Wenn aber das Vollkommene gekommen sein wird ...“
Liegt dieses Ereignis bereits hinter uns oder haben wir es noch zu erwarten? Was ist gemeint?
Fassen wir zusammen, was wir aus dem Text direkt entnehmen können:

1. Zu der Zeit, als der 1. Korintherbrief geschrieben wurde, war „das Vollkommene“ noch nicht gekommen; darum die Zukunftsform „wenn ...sein wird“.

2. Sobald es gekommen sein wird, werden:
    Weissagung weggetan werden,
    Sprachen (Zungenreden) aufhören,
    Erkenntnis wird weggetan werden,
    ich werde erkennen, gleichwie ich erkannt worden bin.

3. Die Liebe bleibt.

4. Die Liebe ist größer als Glaube und größer als Hoffnung, auch dann noch, wenn das Vollkommene gekommen sein wird.

Es bleibt zu klären, was in diesem Zusammenhang „das Vollkommene“ ist.
Das Wort, das mit „das Vollkommene“ übersetzt worden ist, heißt „teleios“: = vollständig, vollendet, vollkommen, reif, Erwachsener, das Vollkommene. Es findet sich 19 x im NT, u.a.:

1.    Unser himmlischer VATER ist vollkommen. Matthäus 5,48: Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.
2.    Ich soll vollkommen sein: Matthäus 5,48: Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist. 2.Korinther 13,11: Übrigens, Brüder, freuet euch, werdet vollkommen, seid getrost, seid eines Sinnes, seid in Frieden, und der Gott der Liebe und des Friedens wird mit euch sein. 
3.    Wir sollen „am Verstand“ Vollkommene werden: 1.Korinther 14,20: Brüder, werdet nicht Kinder am Verstande, sondern an der Bosheit seid Unmündige, am Verstande (wörtl.: in den Einsichten) aber werdet Erwachsene (teleioi = Vollkommene).                      4.    Der Wille GOTTES ist vollkommen: Römer 12,2: Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung [eures] Sinnes, daß ihr prüfen möget, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist. 
5.    GOTTES Geschenke sind vollkommen: Jakobus 1,17: Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei welchem keine Veränderung ist, noch eines Wechsels Schatten. 
6.    Das Gesetz der Freiheit ist vollkommen: Jakobus 1,25: Wer aber in das vollkommene Gesetz, das der Freiheit, nahe hineingeschaut hat und darin bleibt, indem er nicht ein vergeßlicher Hörer, sondern ein Täter des Werkes ist, dieser wird glückselig sein in seinem Tun. 
7.    Die neutestamentliche Erfüllung der Schattenbilder des AT ist vollkommen: Hebräer 9,11: Christus aber, gekommen als Hoherpriester der zukünftigen Güter, in Verbindung mit der größeren und vollkommneren Hütte, die nicht mit Händen gemacht (das heißt nicht von dieser Schöpfung ist) ... Hebräer 7,11: Wenn nun die Vollkommenheit durch das levitische Priestertum wäre (denn in Verbindung mit demselben hat das Volk das Gesetz empfangen), welches Bedürfnis war noch vorhanden, daß ein anderer Priester nach der Ordnung Melchisedeks aufstehe, und nicht nach der Ordnung Aarons genannt werde? 
8.    GOTTES Weg ist vollkommen:  Psalm 18,31: Gott, sein Weg ist vollkommen; Jahwes Wort ist geläutert; ein Schild ist er allen, die auf ihn trauen. 
9.    Das Gesetz des HERRN ist vollkommen: Das Gesetz Jahwes ist vollkommen, erquickend die Seele; das Zeugnis Jahwes ist zuverlässig, macht weise den Einfältigen. 

Wir könnten mit dieser Aufzählung fortfahren. Die Erlösung, unser ewiges Heil, unsere Freude ...: vollkommen!

Weiter fragen!

Aber haben wir damit bereits eine Antwort auf unsere Frage? Das meiste von dem, was wir genannt haben, hatte zur Zeit der Abfassung des Briefes bereits Bestand. Nachdem wir festgestellt haben, daß zur Zeit der Abfassung des 1. Korintherbriefes das hier gemeinte „Vollkommene“ noch nicht vorhanden war, müssen wir weiter fragen, wovon die Schrift in 1. Korinther 13, 10 spricht.

Einige Ausleger sehen in dem Vollkommenen den ewigen Zustand der Heiligen. Einfach gesagt: Wenn wir endlich im Himmel sind, dann gibt es nichts Unvollkommenes mehr.
Diese Aussage ist zweifellos richtig – zumindest in unserer etwas vagen Fassung. Wir wissen zu wenig von jener Herrlichkeit, um gültig sagen zu können, daß es dort nicht auch eine Weiterentwicklung, eine Vervollkommnung gibt.
Immerhin, eines ist klar: Im Himmel werden wir weder Weissagung noch Sprachenreden noch Erkenntnis brauchen. Wir werden „dem VATER gleich sein, denn wir werden IHN sehen, wie ER ist“ (1. Johannes 3,2).

Andere sprechen davon, daß der Abschluß des Kanons des Neuen Testamentes oder der Abschluß der letzten der neutestamentlichen Schriften das Vollkommene sei. Damit hätten wir einen ziemlich genauen Zeitpunkt für „Weggetan-werden“ und „Aufhören“.
Im Jahre 393 n.Chr. hat die Synode von Hippo den Kanon der neutestamentlichen Schriften offiziell und endgültig bestätigt. Vorausgegangen waren heftige Auseinandersetzungen darüber, welche der zahlreich vorhandenen frühchristlichen Schriften nun wirklich und endgültig zum heiligen Text des Wortes GOTTES zu rechnen seien. Diese Auseinandersetzungen dauerten länger als 300 Jahre, d.h., sie begannen bereits im 1. Jahrhundert nach der Geburt unseres Heilandes.
Das letzte der neutestamentlichen Bücher, die „Offenbarung“, wurde – so sagen uns die Fachleute – am Ende des 1. Jahrhunderts geschrieben.
Nach dieser Sicht gibt es seit dem 2. bzw. dem endenden 4. Jahrhundert weder Weissagung noch Sprachen, auch keine Erkenntnis mehr. (Man kann auch sagen: „Das gilt für Sprachen und Weissagung, aber natürlich nicht für Erkenntnis; es ist ja gerade unsere Erkenntnis, die uns gewiß macht, daß es kein Zungenreden und keine Weissagung mehr gibt“. Die Frage ist, ob man „das Wort der Wahrheit recht teilt“ (2.Timotheus 2,15), wenn man von den drei im gleichen Zusammenhang genannten Begriffen bewußt einen ausklammert, weil sonst die ganze Auslegung nicht paßt).

Wieder andere Ausleger sehen die Geistesgaben grundsätzlich als Anzeichen des Kindheitsstadiums in der Entwicklung der Gläubigen an. Der geistlich reife Mensch, der „erwachsene“(= vollkommene) Christ braucht keine „Zeichen“ mehr; er findet sein Genüge in CHRISTUS selbst und ist bereit, dem HERRN ohne äußere Erweise der Gnade auf Sein Wort hin zu vertrauen. Unmündige, Kindlein in CHRISTUS, dagegen strecken sich noch nach Zungenreden, Weissagung und anderen übernatürlichen Erweisen der Kraft GOTTES aus.
Dieser Sicht nach geschieht das Aufhören der Geistesgaben und speziell der in 1. Korinther 13 genannten nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt der Geschichte. Vielmehr hat es mit der persönlichen Entwicklung des Gläubigen zu tun.

Sicherlich gibt es noch andere Erklärungen für das, was „das Vollkommene“ ist. Einige sind einigen sehr willkommen, weil sie klipp und klar „beweisen“, daß es heute kein Zungenreden mehr gibt, dass man sich mit dem Thema also nicht auseinandersetzen muß.

Was ist zu all dem zu sagen?
Bei allem gebotenen Respekt von unseren Brüdern und ihren Meinungen – es muß erlaubt sein, noch einmal neu zu fragen, von welcher „Vollkommenheit“ der HEILIGE GEIST (ER ist es ja, der das Wort gegeben hat) hier spricht.

Zunächst wird im Anschluß an die ersten 7 Verse des Kapitels
festgestellt: „Die Liebe vergeht nicht“.
Wenn auch Sprachen aufhören werden, Weissagung und Erkenntnis weggetan werden, die Liebe bleibt. Damit wird der Vorrang der Liebe unterstrichen.

Warum „weggetan“?
Die Antwort: Weil es „stückweise“, „Stückwerk“, ist.
(stückweise: „meros“= Teil, im Verhältnis zum Ganzen, Stück, Anteil, Plur.: Gebiet, Landschaft)

Wann?
Dann wendet sich der Text dem Zeitpunkt zu, wann das geschieht: „Wenn das Vollkommene gekommen sein wird. Dann wird das, was stückweise ist. weggetan werden“. Jetzt kommen wir zu der oben bereits gestellte Frage: „Was ist „das Vollkommene“?“
Die Antwort finden wir wieder einmal in GOTTES Wort selbst:
1.    1.Korinther 13,11: Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind, urteilte wie ein Kind; als ich ein Mann wurde, tat ich weg, was kindisch war.  Ein Kind redet wie ein Kind, denkt, urteilt wie ein Kind. Der „Mann“, das Kind, das erwachsen wurde, tut weg, was kindisch ist. Unmündige, „Kindlein“ im Glauben haben eine sehr unvollkommene Art des Verstehens, darum reden, denken, urteilen sie entsprechend. Interessant ist, daß das Kind zuerst redet, dann erst denkt, später dann urteilt. (Erwachsene sollten zuerst denken, dann urteilen und danach erst reden!). Das „Vollkommene“ hat es mit geistlicher Reife zu tun (lies Hebräer 6,1: Deshalb, das Wort von dem Anfang des Christus lassend, laßt uns fortfahren zum vollen Wuchse (zur „teleiotes“zur Vollkommenheit) und nicht wiederum einen Grund legen mit der Buße von toten Werken und dem Glauben an Gott ...).
2.    Vers 12: Wir sehen jetzt durch einen Spiegel, undeutlich, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, gleichwie auch ich erkannt worden bin. Meine Erkenntnis ist in zweierlei Hinsicht unvollkommen: Durch einen Spiegel sieht man die Konturen und Farben verschwommen. Im 1. Jahrhundert hatte man noch nicht unsere Glasspiegel. Man benutzte polierte Metallscheiben. Da ist es nicht verwunderlich, wenn das Bild bis zu einem gewissen Grade undeutlich blieb. Auch sieht man in einem Spiegel alles seitenverkehrt. Das bleibt auch so, solange man eines Spiegels bedarf. Wir stehen zum vollkommenen Erkennen noch auf der „falschen Seite“. „Dann aber“ wird das anders. Das Stückweise, Undeutliche wird abgelöst von vollkommener Klarheit. Wenn wir auf der anderen, der richtigen Seite stehen, ist kein (neues) Erkennen mehr nötig. Alles ist für alle Zeit klar!  Das Vollkommene ist gekommen, wenn uns die Möglichkeit zuteil geworden ist, „zu erkennen, gleichwie auch ich erkannt worden bin“, und das ist: „vollkommen“!

Bis wir alle ...

Epheser 4,13: bis wir alle hingelangen zu der Einheit des Glaubens und zur Erkenntnis des Sohnes Gottes, zu dem erwachsenen Manne („eis andra teleion“ zum Manne, (dem) vollkommenen), zu dem Maße des vollen Wuchses der Fülle des Christus. 

Wenn wir alle hingelangt sind zur Einheit des Glaubens.
Wir alle = der ganze Leib CHRISTI, auch das letzte Glied. Das kann erst geschehen, nachdem das letzte Glied des Leibes „hinzugetan“ worden ist.

Einheit des Glaubens =
1.    die gleiche Sicht über die Inhalte des Glaubens,
2.    die gleiche Beurteilung subjektiver Glaubensaussagen. Wenn der HERR einer Person etwas zeigt, erkennen alle, daß es der HERR war. (So ist es im Leib: Wenn der Geruchssinn etwas wahrnimmt, fällt es dem Auge nicht ein, diese Wahrnehmung anzuzweifeln, sondern stellt sich selbstverständlich darauf ein).
3.    Die gleiche Intensität des Glaubens: Von ganzem Herzen!
Erkenntnis des Sohnes GOTTES =
Nicht: Ich erkenne restlos den SOHN GOTTES. Das ist nach Matthäus 11,27 nicht möglich („niemand“ bedeutet niemand!); sondern nur „mit allen Heiligen“ - Epheser 3,18-19: ... auf daß ihr völlig zu erfassen vermöget mit allen Heiligen, welches die Breite und Länge und Tiefe und Höhe sei und zu erkennen die die Erkenntnis übersteigende Liebe des Christus, auf daß ihr erfüllt sein möget zu der ganzen Fülle Gottes.  . 
Erkennen: Das Wesen verstehen, eins werden.
dem erwachsenen Mann = siehe oben!
zum Vollmaß des Wuchses der Fülle des CHRISTUS = Die „Fülle des CHRISTUS“ ist die Gemeinde - Epheser 1,22-23: ... und (GOTT) hat alles seinen Füßen unterworfen und ihn als Haupt über alles der Versammlung gegeben,  welche sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt.  (Der alles in allem erfüllt ist der in den Himmel „hinaufgestiegene“ HERR JESUS [Epheser 4,10]).
Dem allen sollen wir mit aller Kraft „nachjagen“. Wir sollen mehr und mehr wachsen, mehr und mehr zur Vollkommenheit gelangen. Jeder einzelne der Heiligen. 
Philipper 3,12-14: Nicht daß ich es schon ergriffen habe oder schon vollendet („teteleiomai“ Perfektform von „teleio“) sei; ich jage ihm aber nach, ob ich es auch ergreifen möge, indem ich auch von Christo [Jesu] ergriffen bin. Brüder, ich halte mich selbst nicht dafür, es ergriffen zu haben; eines aber tue ich: Vergessend was dahinten, und mich ausstreckend nach dem, was vorn ist, jage ich, das Ziel anschauend, hin zu dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christo Jesu.
Das Ziel meiner Heiligung ist nicht, daß ich heiliger bin als die anderen. Das Ziel meiner Heiligung ist, daß durch mich der „Leib CHRISTI auferbaut“ wird und daß er somit „zum Preise Seiner (GOTTES) Herrlichkeit“ ist. 

Das Vollkommene ist aber erst gekommen, wenn „wir alle“ dahin gelangt sind.

Wann wird das sein?
Angesichts der Zertrennung der Heiligen, angesichts schier endloser Streitereien über Lehrfragen, gegenseitiger Verdächtigungen und Eifersüchteleien wird man traurig. Nicht zwangsläufig, sondern wegen unserer Untreue müssen wir diesen Zustand beklagen.
Wie gut, daß es den Richterstuhl CHRISTI gibt (Römer 14,10 / 1.Korinther 5,10)! Da werden unter anderem all unsere Irrtümer aufgedeckt werden und „verbrennen“. Das ist auch nötig, damit wir endlich auch praktisch „alle eins“ werden.

Zwei Gründe, warum „das Vollkommene“ noch nicht „gekommen“ ist:
1.    Der „Leib CHRISTI“ ist noch nicht vollendet; das letzte Glied muß noch gerettet werden.
2.    Der Leib CHRISTI ist noch weit davon entfernt, zur Einheit des Glaubens, zur vollen Erkenntnis des Sohnes GOTTES, zur vollen Mannesreife zu kommen.

Bis dahin ist der HERR am Werk an jedem Einzelnen von uns. ER hat der Gemeinde besondere Gaben gegeben, damit Sein Ziel mit uns erreicht wird:
Epheser 4,11-13:  Und er hat die einen gegeben als Apostel und andere als Propheten und andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer,  zur Vollendung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Auferbauung des Leibes Christi, bis wir alle hingelangen zu der Einheit des Glaubens und zur Erkenntnis des Sohnes Gottes, zu dem erwachsenen Manne, zu dem Maße des vollen Wuchses der Fülle des Christus;     
Diese gibt es und wird es geben, bis der HERR zu Seinem Ziel gekommen sein wird.
Propheten sind Leute, die prophetisch reden. Wenn es bis zur Vollendung Propheten gibt, dann gibt es auch bis zur Vollendung prophetisches Reden.
Bei den Aposteln handelt es sich um Menschen, die „ausgesandt (sind) von dem HEILIGEN GEIST“ (Apostelgeschichte 13,4). Wir sollen sie nicht verwechseln mit dem Apostel des VATERS, JESUS (Hebräer 3,1), auch nicht mit den ein  für allemal berufenen 12 Aposteln JESU CHRISTI.
Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer müssen treu arbeiten, bis zu dem herrlichen „dann aber“!
    Dann aber – werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt worden bin.
    Dann aber – wird unser HERR und Heiland JESUS CHRISTUS in uns verherrlicht (1.Thessalonicher 1,10).
    Dann aber – bedarf es keiner „Zunge“, keiner Erkenntnis, keiner prophetischen Rede mehr, auch nicht Personen, die mit dem Aufbau des Leibes betraut sind.
    Dann aber – Herrlichkeit!

Wir fassen zusammen:

In der Wiederkunft CHRISTI wird alles zu seinem Ziel gekommen sein.
Habakuk 2,14: Denn die Erde wird voll werden von der Erkenntnis der Herrlichkeit Jahwes, gleichwie die Wasser den Meeresgrund bedecken. 

jetzt - dann
jetzt: erkennen, weissagen – stückweise
jetzt: reden, denken, urteilen wie ein Kind
jetzt: sehen durch einen Spiegel, undeutlich – mittelbar.
dann: das, was stückweise (partiell) ist, wird weggetan.
dann: das was kindisch ist, tue ich weg.
dann: kann ich erkennen, wie ich erkannt worden bin.
Wenn wir so erkennen werden, wie wir erkannt werden, bleibt nichts mehr zu erkennen. Es bleibt nur noch Anbetung!
Weissagung hat es mit Verborgenem zu tun. Wenn nichts mehr verborgen ist, wenn alles offenbar ist, hört die Weissagung auf.
Ebenso die Zungenrede: Sie hat es mit der Unvollkommenheit unseres Ausdrucksvermögens und auch unseres Hörvermögens zu tun. Auch diese Unvollkommenheit hört auf. Dann brauchen wir das Reden in Zungen nicht mehr.
Nun aber bleibt: Glaube – Liebe – Hoffnung.
Aber die Liebe ist die Größte unter ihnen!
Nun – nachdem wir das festgestellt haben: Jetzt leben wir im Glauben und in der Erwartung (Hoffnung der Herrlichkeit) und in der Liebe.
Aus dem Glauben wird Schauen
aus dem Hoffen wird Haben
- die Liebe bleibt!
Zum Schluß ein Zitat aus: Götz Harbsmeier, Das Hohelied der Liebe, Seite 27, über den im Zungenreden angelegten Zug zum Aufhören des Zungenredens:

„Auch die Zungenrede wird aufhören. Gerade sie besteht ja darin, das unbeholfene Eingeständnis dessen zu sein, daß Menschenmund letztlich nicht auszusagen vermag, was GOTTES Heil in CHRISTUS wirklich für uns ist. Gerade sie will ja aufhören, wenn sie echt ist.“

Finden wir hier nicht eine kurze und sehr schöne Auslegung dessen, was Zungenrede in Wirklichkeit ist: „das unbeholfene Eingeständnis“, daß ich nicht sagen kann, was ich sagen können sollte, und das darum, weil es mir daran mangelt, zu „erkennen, gleichwie ich erkannt worden bin“? Jede echte Zungenrede ist Gebet, Lobpreis, zugleich aber auch der Ausdruck meiner Sehnsucht, es besser sagen zu können. Daß diese Sehnsucht gestillt wird, hat uns der HERR JESUS verheißen: „An jenem Tage ...“ (Johannes 16,22-23)

Ach, nimm dies arme Lob auf Erden,
mein GOTT, in allen Gnaden hin.
Im Himmel wird es besser werden ....
                               (aus O daß ich tausend Zungen hätte, Joh. Mentzer (1658-1734)

Nachtrag:

„Zungenreden, Weissagung und all die anderen Geistesgaben findest Du nur im 1. Brief an die Korinther. Das war doch die Gemeinde, um die es in vieler Hinsicht ziemlich schlecht stand.“
Diesen Satz hört man immer wieder einmal, wenn es um die Frage nach den Geistesgaben in unseren Gemeinden geht. Es soll zum Ausdruck gebracht werden: „Wenn es so schlimm in der Gemeinde aussah, kann sie uns doch sicher nicht als Vorbild dienen!“
Dazu ist folgendes anzumerken:
Ja, es sah schlimm aus in Korinth.
Es gab Spaltungen (1,  10-17),
fleischlich gesinnte Christen (3,1-8),
Christen, die sich ihrer „Weisheit rühmten“ (3,18-23),
Hurerei in bedeutendem Ausmaß ( 5+6),
man aß Götzenopferfleisch (10,14-22),
man pervertierte das Mahl des HERRN (11,20-22),
einige leugneten die Auferstehung CHRISTI (15, 12).
Das alles ist sehr betrüblich. Gewiß! Und GOTT läßt uns nachdrücklich wissen, wie ER diese Dinge beurteilt.
Auf der anderen Seite finden wir in eben dem  Brief, der das Gericht GOTTES über die genannten Mißstände verkündigt, Wahrheiten, die zum Teil nur hier (wir reden von den Briefen des Neuen Testamentes) behandelt werden. Da ist zuerst die Lehre vom Mahl des HERRN (10, 16-17; 11, 23-34). Dann das große Thema „Auferstehung“. Gewiß, auch in anderen Briefen wird darüber gesprochen. Aber das meiste darüber finden wir doch in Kapitel 15 des 1. Korintherbriefes. Heirat, Ehescheidung und Wiederheirat, Umgang mit sündigen Gemeindegliedern, die Ordnung bei Gemeindezusammenkünften, Wichtiges zum Thema „Frau in der Gemeinde“ und vieles andere finden wir nur oder doch ganz besonders in dem 1. Korintherbrief. 
Ein Thema, das im 1. Korintherbrief besonders hervorgehoben wird, ist die Stellung der Glieder im „Leib CHRISTI“. Jeder Gläubige hat eine ihm eigene Bestimmung für den „Leib“, einer dient dem anderen, jeder „strebt danach, daß“ er „überströme zur Auferbauung der Gemeinde (14,12). In diesem Zusammenhang ist dann auch von den Gnadengaben ausführlich die Rede. In dem Maße, wie bei uns die Sicht für das Ganze des „Leibes CHRISTI“ verloren geht, in dem Maße, wie es uns mehr und mehr nur um unsere eigene Vervollkommnung geht, verlieren die Gnadengaben ihre Bedeutung. Dabei hören wir in 1. Petrus 4,10: „Wie jeder eine Gnadengabe empfangen hat, so dient damit einander ...“ Diese Ermahnung steht in direktem Zusammenhang mit der Feststellung: „Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge“ (Vers 7). Gerade wir, die wir am Ende dieses Zeitalters leben, sollen uns um die geistlichen Gaben bemühen, damit niemand von uns vom rechten Weg abkomme und wir statt dessen alle gemeinsam das herrliche Ziel erreichen.

Die Tatsache, dass die Gemeinde in Korinth teilweise in einem schlechten Zustand war, hat GOTT damals nicht gehindert zu segnen. So bezeugt am Anfang des Briefes der HERR (durch Seinen Apostel) dieser Gemeinde: 1.Korinther 1,4-7: Ich danke meinem Gott allezeit eurethalben für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christo Jesu,  dass ihr in ihm in allem reich gemacht worden seid, in allem Wort und aller Erkenntnis,  wie das Zeugnis des Christus unter euch befestigt worden ist, so dass ihr in keiner Gnadengabe Mangel habt, indem ihr die Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus erwartet ...
Die Tatsache, daß die Gemeinde in Korinth teilweise in einem schlechten Zustand war, darf uns nicht dazu verleiten, die Aussagen des Briefes in einem negativen Licht zu sehen. Bei dem 1. Korintherbrief handelt es sich um einen Teil des ein für allemal gültigen Wortes GOTTES, für welches das Wort des HERRN aus Jesaja 34 (Vers 16) gilt: Forschet nach im Buche des HERRN und leset! Es fehlt nicht eines von diesen, keines vermisst das andere. Denn mein Mund, er hat es geboten; und sein Geist (der Geist Seines Mundes), er hat sie zusammengebracht.
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Ich wünsche mir, dass diese Untersuchung zu Gesprächen führt. Es versteht sich, dass es zu diesem wichtigen Thema noch vieles zu sagen gibt. Darum bitte ich  die Leser, mir ihre Kritik – sofern vorhanden – mitzuteilen. Wir alle brauchen die brüderliche Korrektur.
Loga, Dezember 2005                                    Hans-Peter Grabe


Denn gerade ist das Wort des HERRN, und all sein Werk ist in Wahrheit.
Psalm 33,4

Strebet nach der Liebe; eifert aber um die geistlichen Gaben,am meisten,dass ihr weissagt.
1. Korinther 14,1

 

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