Als jemand, der jahrelang gerne und viel geraucht hat, weiß ich aus eigener
Erfahrung: mit dem Rauchen aufzuhören ist schwer, vor allem dann, wenn der
Körper sich jahrelang an das Nikotin gewöhnt hat. Aber es ist möglich. Mir fiel
die Geschichte eines jungen Mannes in die Hände, der den Ausstieg unbedingt
schaffen wollte: "Ich hatte damals nicht viel Geld zum Leben, doch für
meine Zigaretten musste es doch irgendwie reichen..."
Als ich Stephans Geschichte las, wurde ich wieder einmal daran erinnert, wie
ich selbst die rettende Kraft der Guten Nachricht von Jesus Christus (Römer
1,16) erfahren habe. Ich möchte hier nicht die ganze Geschichte erzählen:
Anfang 1983 habe ich als Zugabe zu meiner Examensarbeit mit dem Thema
"Genese und Entwicklung der Motivation in der Drogentherapie" das
erste Mal versucht, das ganze in Form eines kurzen Comics zu erzählen, später
wurde dann eine 116 Seiten starke Cartoonbiographie im Eigenverlag daraus
(mittlerweile vergriffen, aber online als Pdf nachzulesen) . Schließlich hat der
CLV es zusammen mit ein paar weiteren Lebensberichten unter dem Titel "No
hope in dope but in Jesus" als preiswertes Verteilbuch
herausgebracht. Nur so viel:
Es war am Tag meiner Taufe. Mein Leben war all die Jahre in Drogen und
Rebellion dermaßen chaotisch verlaufen, dass ich leider nicht mehr das genaue
Datum weiß, sondern es lediglich auf den Winter 81/82 eingrenzen kann.
Seitdem ich Ende 1977 in der sogenannten "Ladenkirche", einer
Jesus-Teestube am Rande der Oldenburger Innenstadt aufgeschlagen war und
seitdem immer wieder christliche Kreise und evangelistische Veranstaltungen
besuchte, war es ja nicht wesentlich besser geworden. Im Gegenteil. Dadurch,
dass ich jetzt den christlichen Glauben in meine Rebellion gegen "den Rest
der Welt" mit einbezog und immer noch schwere Rückfälle mit Alk und Drogen
an der Tagesordnung waren, war ich in Folge dessen sogar einige weitere Male
zwangseingewiesen worden. Nicht einmal, dass ich meine Jugendfreundin Dagmar
heirate, brachte die Sache zum Stopp. Erst als wir die Versammlung der freien
Christengemeinde in der Meier-Straße in Leer-Loga besuchten, wurden die nüchternen
Phasen länger und wir fühlten, dass wir Grund unter den Füßen bekamen.
Nun hatte ich schon einige Wochen kein LSD, Kokain oder andere Hartdrogen
genommen, mich auch mit Alkohol zurück halten können und für meine Verhältnisse
sehr wenig gekifft.
In einer Viertelstunde sollte ich die weiße Taufkleidung bekommen und zusammen
mit einigen anderen in der damals noch recht kleinen Versammlung getauft
werden. Afrikanische Freunde, die uns begleiteten, waren darüber "völlig
aus dem Häuschen." Ich nutzte die Restzeit, um mich aus der allgemeinen
Aufregung an die nahe gelegene Leda zu verdrücken, einem Nebenfluss der Ems.
Ich wollte noch ein paar Minuten mit meinem Schöpfer allein sein. Vielleicht
wollte ich auch nur in Ruhe eine Zigarette rauchen.
Darf man beim Beten rauchen? Zu meiner Entschuldigung hatte ich immer folgenden
(katholischen) Witz parat: Treffen sich zwei Ordensbrüder, beide passionierte
Raucher. Sagt der eine: "Ich habe beobachtet, das du beim Brevierlesen
deine Pfeife rauchst. Das ist verboten." "Wieso das denn?" fragt
der andere. "Nun, ich habe dem Abt gefragt, ob man beim Beten rauchen
darf, und seine Antwort war nein", bekommt er als Antwort. Der Mitbruder
fängt an zu lachen. "Ich habe auch gefragt", sagt er, "ich habe
den Abt gefragt, ob ich beim Rauchen beten darf. Die Antwort war ja.".
Tabak und Blättchen aus der Packung holen, eine Zigarette drehen, war längst
Routine. Während sich meine Lungen noch einmal so richtig mit Nikotin füllten
und ich über meine gleich stattfindende Taufe nachdachte, fing Gottes Geist an,
zu mir zu reden. "Joe, der Herr Jesus hat so unendlich viel für Dich
getan. Er hat mit seinem heiligen und vollkommen reinen Leben für all den Dreck
deiner Sünde bezahlt. Sein Blut hat dich reingewaschen von Schuld. Du gehörst jetzt
und bis in alle Ewigkeit zur Familie Gottes. In all den Jahren auf Drogen,
trotz all deiner Rebellion, hat er Dich bewahrt, hat dich bewahrt von
Mutterleib und Kindesbeinen an. Viele, die du gekannt hast, sind tot oder im
Knast. Dein Leib ist Sein Tempel, weil Er in Dir Wohnung genommen hat. Er hat
Dich von den Drogen frei gemacht. Die Ketten deiner Nikotinsucht hat er doch
ebenfalls längst zerbrochen. Dies ist deine letzte Zigarette!" Ich habe
selbst nicht dran geglaubt, ich hätte mich am Qualm beinahe verschluckt: wusste
ich doch zu gut, wie labil ich war, wie süchtig, wie viele Entwöhnungsversuche
gescheitert waren. Rational kann ich es nicht erklären, 2.Kor. 3,17 sagt aber:
"Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit". Diese Zigarette kurz
vor der Taufe im Winter 81/82 war tatsächlich die letzte Zigarette meines
Lebens. Die guten Nachricht (griechisch: eu angelion , gute, frohe Botschaft,
Evangelium) von Jesus Christus ist tatsächlich "Gottes Kraft zur Rettung
für jeden, der glaubt." (Römer 1, Vers 16)
Das war vor ungefähr 27 Jahren. Ich bin nie wieder mit Drogen rückfällig
geworden, war seitdem auch nie wieder betrunken, habe auch nie wieder
Psychopharmaka nötig gehabt. Mein Leben hat nochmals eine ganz andere Richtung
bekommen.
"Wer Sünde tut, ist der Sünde Sklave," sagt der Herr Jesus in
Johannes 8,34. Auf niederländisch heißt süchtig "verslavt". Das
trifft den Nagel auf den Kopf: der Raucher muss rauchen, der Alkoholiker
trinken, der Fixer Heroin ballern. "Wenn euch nun der Sohn freimachen wird",
sagt Er dann weiter, Vers 35, und gemeint ist die geistliche Versklavung unter
der Sünde, das gewohnheitsmäßige Sündigen, "dann seid ihr wirklich
frei!"
Nun ist es doch wieder ein längerer Text geworden, aber weil ich schon mal
dabei bin, möchte ich auch noch erzählen, wie es nach meiner Taufe weiter ging:
Wir haben viel gesungen, gebetet, eine gute Predigt gehört, und sind dann mit
unseren afrikanischen Freunden nach Emden, wo wir im 10. Stock einer Wohnanlage
der Neuen Heimat unsere Wohnung hatten, zurückgefahren. Ich war so gefüllt mit
Gottes Liebe, dass zunächst wirklich kein Verlangen nach Tabak, Zigaretten,
Haschisch oder Marihuana da war.
Auch am nächsten Morgen noch fühlte ich mich gut. Aber als dann Dagmar zur
Arbeit weg war, erfasste mich zunehmend eine innere Unruhe. Ich konnte weder
sitzen noch stehen. Schweiß brach aus, die Lymphknoten überall im Körper
schwollen an. Ich versuchte, zu beten. Ich nahm ein Bad, aber kaum der Wanne
entstiegen, fing ich wieder an zu schwitzen. So schlüpfe ich in meine
Turnschuhe, hüllte mich in eine Wolldecke und trat vor die Haustür auf den
Balkon. Die Luft war schneidend kalt, gefühlte Minustemperaturen von sicherlich
zehn Grad. Über Nacht waren Kanäle und Grachten zugefroren. Eine plötzliche
Windböe schlug die Haustür zu. Und nun? Ich kam nicht mehr hinein, denn ich
hatte den Hausschlüssel nicht mit herausgenommen.
Ich klingelte an der Nachbarwohnung, aber der Nachbar, ein alleinlebender
Berufsschullehrer war in der Schule. In der nächsten Wohnung wohnten Freaks,
aber auch die waren ausgeflogen. Im Block kannte ich nur noch die Afrikaner im
ersten Stock. Fest in die Wolldecke eingehüllt, fuhr ich mit dem Fahrstuhl, der
wie immer nach Qualm und Urin stank, hinunter. Auch niemand da! Es waren
Asylbewerber, die waren sonst doch immer zu Hause!
Da kam mir Christoph in den Sinn, mein Freakbruder aus der Pelzerstraße, der
mich vor einigen Monaten in die Redaktion der Emder Studentenzeitung
"Augenfisch" aufgenommen hatte. Bis mittags war wenigstens Christoph
immer zuhause anzutreffen. Nun war aber die Pelzerstraße beinahe am anderen
Ende der Stadt. Egal, darauf warten, dass meine Frau von der Arbeit heimkehrte,
ging ohnehin nicht.
Bereits nach wenigen hundert Metern setzten die ersten Schübe von Paranoia ein;
"Wenn du so aufgegriffen wirst, in Turnschuhen und Wolldecke, bei dieser
Kälte, das kannst du niemanden erklären, das glaubt dir ohnehin keiner, man
Joe, du warst ein Dutzend mal in der Psychiatrie, die weisen dich direkt wieder
ein!"
Als ich an der katholischen Kirche vorbeilief, beschloss ich darum, eine kurze
Rast einzulegen, um wieder "runter zu kommen". Um dies Zeit war da
drin doch bestimmt keine Menschenseele. War auch nicht. Ich hockte mich an die
Heizung und fing an, inbrünstig zu beten, als mein Blick auf einen aufgebahrten
Leichnam im Altarraum fiel. Ich musste lachen. Diese Leiche da im offenen Sarg
erinnerte mich an die Realität der Bekehrung, die ich erlebt hatte. Mein alter
Mensch, der "alte Adam", wie die Bibel ihn nennt, war doch mit
Christus zusammen gekreuzigt, gestorben und begraben. Das hatte ich mit meiner
Taufe bezeugt. Ich brauche nicht mehr im Alten leben. Ich darf den neuen
Menschen anziehen, den Christus. 2. Kor. 5,17: "Darum: Ist jemand in
Christus, so ist er eine neue Schöpfung, das Alte ist vergangen, siehe, es ist
alles neu geworden!"
Mit neuem Mut ausgestattet, trat ich wieder hinaus. Kälte und Wind machten mir
nichts mehr aus. Psalm 18,30: "Mit meinem Gott kann ich über die Mauer
springen", mit meinem Gott kann ich nur mit 'ner Wolldecke und Turnschuhen
bekleidet durchs winterkalte Emden laufen! Christoph: Einige Jahre später
durfte er ebenfalls zu Jesus finden - staunte nicht schlecht, als er mich so
kommen sah. Er lieh mir Hose und Pullover. Natürlich rauchte er, als dann der Teekessel
auf dem Herd summte, erst mal 'ne Selbstgedrehte, und alle, die im weiteren
Verlauf dieses verrückten Vormittags zu ihm kamen, rauchten auch. Nur ich
nicht. Danke Jesus, Ich war frei!
Joe
Aber vielleicht ist das Rauchen gar nicht Dein
Problem. Die Strukturen der Abhängigkeit (Internet-, Spiel-, Alkohol-, Drogen-
oder Sexsucht) ähneln sich stark. Doch der von Stephan und mir beschriebene Weg
der Befreiung gilt für jeden,. der Sehnsucht danach hat und wirklich frei
werden will. Diese Freiheit, die Gott dir anbietet, hat nichts mit Zauberei zu
tun und ist auch kein leichter Weg, der Rückfälle ausschließt. Doch Gottes
Liebe wird dadurch nicht kleiner, Er wendet sich nicht von dir ab. Im Gegenteil.
Denkanstoss:
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