Freitag, 18. Mai 2012
 
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Die Bibel
Freitag, 18. Mai 2012
Wer ist nun willig, heute eine Gabe für den HERRN zu spenden?
Jeder gebe, wie er es sich im Herzen vorgenommen hat, ohne Bedauern und ohne Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.
Joe Rahn - innovative Dienstleistungen und mehr

 
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Ein Trip nach Rom PDF Drucken E-Mail

Es muss Mitte der 70er Jahre gewesen sein. Seitdem ich angefangen war, Bibel zu lesen, kam ich auf die  Katholische Kirche, der ich zu dieser Zeit noch angehörte, immer weniger  klar. Die Bibel hatte ich damals dann immer dabei, selbst beim Trampen und Abends in der Disco, und ich hatte mir angewöhnt, sogar mein Hasch auf der Bibel zu zerbröseln. Der Nebeneffekt davon war, dass ich, wenn ich mal nichts mehr hatte, mit einem Taschenmesser die Bibel auskratzen konnte; für ein, zwei Köpfe reichte das immer. Natürlich war ich auch angefangen, über die vielen Fragen, die sich mir durch die tägliche Bibellektüre stellten, mit katholischen Geistlichen, mit Priestern und Ordensleuten, zu sprechen, aber die Antworten waren äußerst unbefriedigend. Ich hatte den Eindruck, dass die meisten nur faselten oder ausgewichen sind. Überhaupt spürte ich viel Gleichgültigkeit, Angst, Unsicherheit und Ablehnung. Also beschloss ich, dem Chef in Rom, Papst Paul VI., persönlich einen Besuch abzustatten. Dazu habe ich mir im Bewusstsein meiner außergewöhnlichen Pilgerreise einen weißen Judoanzug angezogen, einen Kasten mit Ölkreiden, meine zerlesene und buntbemalte Bibel , meinen Kulturbeutel, einen Allwetterschlafsack sowie ein paar Klamotten zum Wechseln in einen Seesack geworfen, schließlich noch ein bisschen Grass und einen LSD-Trip in meinem Tabaksbeutel versteckt, und ab ging´ s. Die Tramptour verlief  trotz  oder vielleicht auch gerade wegen meines doch recht exotischen Aussehens – damals hatte ich lange, fast weißblonde Haare aber  noch keinen Bart – völlig unproblematisch. Lediglich durch die Peripherien von Mailand  musste ich Kilometer weit laufen, vorbei an eintönigen Fabriken, Werkshallen und Hochhäusern. Diese Strapaze nahm ich gleichmütig auf mich. Vor meinem inneren Auge stand das Bild von David Carradine, dem einsamen Tramp aus der „Kung Fu“ –TV-Serie, und mein musikalischer Erinnerungsspeicher war ohnehin besser als jede Musikbox. Bob  Dylans Songs wie „Like a rolling stone“ oder „Masters of war“ ,   "Universal Soldier" , mit dem Donovan bekannt wurde, Janis Joplins „Bobby Mc Gee“ ,   Cat Stevens "Peace Train" , Rod Stewards "Gasoline Alley" sowie unzählige weitere Songs hatten sich tief in meine Seele gebrannt. Einen Walkman oder Discman habe ich deshalb nie besessen oder vermisst. So allein an der Ausfallstraße traute ich mich sogar mitzusingen. Im Beifahrersitz eines Porsches schlief ich eine Weile. Als ich aufwachte, befanden wir uns schon mitten in der ‚ewigen Stadt’. Weil ich Hunger und Durst verspürte und meine Versuche, etwas Geld zu erbetteln, nicht gleich von Erfolg gekrönt waren, setzte ich mich auf eine Treppe und bot  einen handgestrickten Wollpullover, ein Geschenk meiner Mutter, an dem sie viele Abende gearbeitet hatte, zum Kauf an. Die paar tausend Lira, die ich von einem Italiener dafür bekam, reichten gerade zu einer Straßenpizza, einem großen Milchkaffee, ein paar Esskastanien  und einer Packung filterloser Zigaretten. Egal, ich war ja nicht in Rom um reich zu werden, sondern um mit dem Papst zu sprechen. Also habe ich mir den Weg zum Vatikan erklären lassen und latschte los. Auf dem Petersplatz war abgesehen von einigen japanisch aussehenden Touristen nicht viel los. Ich habe mir dann eine Ecke gesucht, wo das Pflaster mir zum Malen gut geeignet schien und meine Ölkreiden ausgepackt. Schon meine ersten Vorzeichnungen von  Feuer speienden  Panzern, Bomben abwerfenden Flugzeugen, verstümmelten, verbrannten Menschen, hungernden Kinder, sowie  vielen Kreuze und Fragezeichen weckten allgemeines Interesse der Japaner. Ich trug so viele Fragen mit mir herum. Vielleicht hatte der Papst eine Antwort? Voll aufs Zeichnen konzentriert merkte ich erst, dass die päpstliche Garde aufmarschiert war, als sie mich mit ihren Hellebarden beinahe aufspießten. Ohne mir die Möglichkeit zu geben, mich zu rechtfertigen oder meinen Auftritt zu erklären, wurde ich gepackt und mit Brachialgewalt der römischen Polizei übergeben. Auf einer Polizeiwache wurde ich zunächst in eine Zelle gesteckt und schließlich von einem deutsch sprechendem Beamten zur Vernehmung  in sein Büro geführt. „Was wolltest du im Vatikan?“ fragte er. „Den Papst sprechen“ antwortete ich wahrheitsgemäß. „Warum hast du dann das Pflaster bemalt?“ „Um seine Aufmerksamkeit zu bekommen und über das Medium Malerei ein paar existentiellen Fragen loszuwerden.“ „Wie lange willst du in Rom bleiben?“ wollte er wissen. „Ein paar Tage vielleicht,“ sagte ich. „Hast du Geld dabei ?“  „Nein.“ . „Wo von willst du leben, vom Betteln oder Klauen?“ setzte er sein kleines Verhör fort.  „Ich bin Cartoon-Maler. Dadurch finde ich eigentlich immer schnell Anschluss,“ erklärte ich ihm.“ Würdest du mir auch ein Bild malen?“ fragte er. „Klar doch!“ Er reichte mir ein Din- A 3 Blatt und ein Kästchen mit Bunt- und Filzstiften. „Dann leg mal los Ich bin in etwa einer Stunde wieder da.“ Aus der Erinnerung reproduzierte ich eine surreale Szenerie, wie ich sie vor einigen Monaten wesentlich größer mit Plakafarben auf ein über einen selbst gefertigten Holzrahmen gespanntes und mit Mehlkreide verstärktes Bettlaken gemalt hatte: Autos, die Menschen durch den Stadtverkehr steuerten, Zigaretten, die sich junge Mädchen anzündeten, Ampeln und Häuser mit menschlichen Zügen, und  Menschen, die eher Robotern glichen. Der Kommissar kam zurück und betrachtete nachdenklich die schnell dahingeworfenen Skizze. Sie schien ihm zu gefallen, denn er wollte sie behalten. „Pass gut auf“, sagte er  ganz unvermutet, „ich schlage dir einen Deal vor, wie ich ihn nicht jeden Tag mache. Du versprichst mir, weder zu betteln noch zu malen, jedenfalls nicht mehr auf römischem Boden oder im Vatikan. Das gibt nur Ärger, und dann bist du schneller wieder hier, als uns Beiden lieb ist. Im Gegenzug biete ich dir ein gratis Zimmer für zwei Nächte an, Pension mit Frühstück; das Mittagessen kannst du dir in der Polizeimensa abholen. So kannst du dir in aller Ruhe Rom angucken, und wenn die zwei Tage rum sind,  meldest du dich wieder bei mir, und du bekommst ein Polizeitaxi bis zur österreichischen Grenze.“

Um ehrlich zu sein, ich habe nicht einen Moment gezögert, einzuschlagen. In der Pension, einer billigen Absteige, waren hauptsächlich Südamerikaner untergebracht, und es roch nach Marihuana. Ich schlief tief und fest. Früh am nächsten Morgen war ich wieder auf der Straße, bin kreuz- und quer durch die Stadt gestreift und sog die italienischen Metropole mit all  ihren Farben, Gerüchen und Geräuschen förmlich in mich auf. Natürlich  ließ ich mir auch das Mittagessen in der Polizeimensa nicht entgehen. Während ich, noch immer mit dem Judoanzug bekleidet, die  Mahlzeit einnahm, fixierten Dutzende von Uniformierten mich mit ihren Blicken. In einem kleinen Park drehte ich mir eine kleine Grass-Tüte und schluckte den mitgebrachten LSD-Trip. Als ich eine Weile später in einer Eisdiele auf die Toilette gehen wollte, setzten so starke Halluzinationen ein, dass ich auf dem Weg dorthin die kleinen Tischchen und Stühle glatt übersehen habe und alles über den Haufen lief. Durch laute Gitarrenmusik wie magisch angezogen, geriet ich schließlich in eine Zeltevangelisation der „Kinder Gottes“, einer aus der amerikanischen Jesus – People -Bewegung abgedrifteten pseudo-christlichen Jugendsekte. Eigentlich waren sie ständig darauf aus, neue Jünger zu rekrutieren, aber als ihre Leiter spürten, dass ich voll unter Drogenwirkung stand und nicht sie mich sondern ich ihre jugendlichen Anhänger mit meinen Gedanken und unkonventionellen Bibelauslegungen beeinflusste, nahmen sie regelrecht Reißaus vor mir. Wie ich in diesem Zustand zu meiner Pension zurückgefunden habe, weiß ich nicht. Im Polizeitaxi auf dem Weg zur Grenze am nächsten Morgen war ich schon wieder ziemlich klar im Kopf, und auch der weitere Rücktramp verlief zunächst wieder easy. In Süddeutschland bot mit ein Schausteller, der mich in seinem dicken Daimler mitgenommen hatte, Übernachtung und Essen in seinem Schaustellerwagen an dafür, dass ich ihm einige Stunden beim Karussellaufbau half. Von dort ging es mit nur  zwei oder drei Fahrzeugwechseln zurück ins heimatliche Emsland. In Kluse, einem kleinen Ort an der B 70, etwa 20 km von Papenburg entfernt, wurde ich abends gegen 22:00  Uhr abgesetzt. Dort habe ich bis weit nach Mitternacht  vergeblich versucht, noch einen Wagen zu stoppen, und mich schließlich  auf die Socken gemacht, um die restliche Strecke nach Hause zu laufen. Meine Eltern schienen irgendwie erfreut, mich zu sehen, aber bereits am Frühstückstisch gab´ s die übliche  Auseinandersetzungen. Hasch, Heroin und lange Haare, für sie war das alles dasselbe.  Wir beteten zwar – wie sich das für gute Katholiken gehörte –vor jedem Essen, aber mit meinen Problemen bzgl. Papst und Kirche waren auch sie total überfordert. 

Zu einer Begegnung mit dem Papst ist es also damals nicht gekommen. Dafür begegnete mir der Herr Jesus selbst, heilte mich von Rauschgiftsucht, Rebellion und einer durch meinen exzessiv betriebenen Drogenmissbrauch ausgelösten schweren schizophren Erkrankung. Seit mehr als 28 Jahren lebe ich seitdem absolut drogenfrei, sogar das Rauchen habe ich von einem Moment zum anderen aufgeben können. Gott schenkte Familie, Beruf ....to tell a long story short, unser Herr gab Seinen Frieden in mein Herz, aber Fragen gerade an die Katholische Kirche, die geistliche Heimat meiner Kindheit und Jugend, sind geblieben und warten bis heute auf zufriedenstellende Antworten.       

Wo soll ich anfangen? Die christliche Gemeinde, die Ecclesia, ist ein Geheimnis, sagt Paulus. Zwar macht der Apostel diese Aussage in einem anderen Kontext, aber ist die Familie Gottes nicht tatsächlich rätselhaft und geheimnisvoll und wundersam? Ist es nicht wirklich erstaunlich, dass Typen wie ich dazu gehören dürfen, Menschen aus allen Völkern und Rassen und Sprachen, Menschen mit unterschiedlichsten Traditionen und Geschichten, Arme und Reiche, Gebildete und weniger Gebildete Alte und Junge, Männer wie Frauen, kulturell eher Konservative wie allem Neuen Aufgeschlossene? 

Sie treffen sich in zu Gemeinderäumen umgebauten Werkshallen; Kinos oder Gaststätten, in Jahrhunderte alten Kirchen, in Privathäusern, Klöstern, Altenheimen, Krankenhäusern und Gefängnissen, in Flüchtlingslagern oder unter freiem Himmel, in den modernsten Metropolen und in den entlegensten Dschungeldörfern. Es gibt Millionen Mitglieder zählende Mega-Churches, Versammlungen, bestehend aus vielen tausend Mitgliedern und ihre Zusammenkünfte werden in ungezählte Haushalte weltweit übertragen, neben Hauskirchen und winzigen Untergrundzellen, über deren Vorhandensein nicht einmal der Nachbar Bescheid wissen darf. Dazu halten wir uns zu den verschiedensten Glaubensrichtungen, Lehren und Formen, und in  einigen Fragen ist unsere Erkenntnis mitunter recht unterschiedlich. 

Aber in aller Welt gibt es nur den einen Leib Jesu, das ist die mit seinem Blut erkaufte Gemeinde derjenigen, die ihre Sünden bereut haben, den Herrn Jesus lieben und Ihm als Ihrem Erlöser in Glauben und Gehorsam nachfolgen wollen. Und  Er ist  mitten unter uns durch Seinen Heiligen Geist. Er, das Haupt der Gemeinde und das Ebenbild des unsichtbaren Göttes, möchte Gemeinschaft mit uns, Seinen Kindern, so unreife, dumme und ungestüme Schäfchen wir auch sein mögen. „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt. 18,20), das hat Er selbst verheißen. So unterschiedlich wir auch sind, wir haben alle denselben Hirten. Auch ganz egal, ob wir erst gerade zu ihm gefunden haben oder schon eine lange Wegstrecke mit Ihm unterwegs sind. Er – und nur Er – ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. NIEMAND kommt zum Vater, als nur durch Ihn (Jo.14.6). 

Aber damit geht´ s dann auch schon los mit den Fragen, auf die mir Katholiken bisher eine zufriedenstellende Antwort schuldig geblieben sind:

Der Papst in Rom wird  „Heiliger Vater“ genannt,  obwohl Jesus Christus selbst ausdrücklich Seine Jünger mahnt (Mt. 23,9): „Und ihr sollt niemanden euren Vater heißen auf  Erden; denn EINER ist euer Vater, der im Himmel ist.“

Der Papst bezeichnet sich als Stellvertreter Christi auf Erden. Aber der Stellvertreter, den Jesus Christus verheißen hat, ist das nicht vielmehr der Paraklet, der Tröster, der Herr der Ernte, der Heilige Geist?  

Die Römisch- katholische Kirche bezeichnet sich gern als den Mittler zwischen Gott und Menschen, obwohl 1.Timotheus 2,5  ausdrücklich sagt: „Denn es ist ein Gott und e i n Mittler zwischen Gott und Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus?

Ich will hier abbrechen, obwohl ich noch Dutzende solcher Fragen auf dem Herzen habe bzgl. der Taufe, des Abendmahls, der Ehelosigkeit der Priester –  selbst Apostel Petrus hatte eine Schwiegermutter! - ,der Lehrfähigkeit von Laien, der Marien- und Heiligenverehrung, der Heilig- und Seligsprechungen durch Menschen, der gewaltigen Zahl der Heiligen, die durch die Inquisition umgebracht worden sind – nur weil sie vielleicht eine Bibel in ihrer Muttersprache besessen haben - , und vieles mehr betreffend. 

Kannst Du Dir vorstellen, wie allein gelassenen ich mich als junger Katholik in der „allein seligmachenden Kirche“ mit diesen Fragen gefühlt habe? Im Alter von vierzehn hatte ich nämlich die Bibel, einschließlich der Apokryphen, nach dem Lesen von Schriften des Missionswerkes Heukelbach zum ersten Mal von vorne bis hinten durchstudiert.   Und was für  - Entschuldigung – strohdumme, arrogante und seifige Antworten ich, ein schmächtiger, kleinstädtischer, langhaariger und voll pubertierender Messdiener, im Laufe meiner tiefen und existentiellen Wahrheitssuche von Kirchenvertretern zu hören bekommen habe? 

Erneut  richtig hochgekommen ist alles wieder, als mir ein alter Kifferkollege aus Jugendtagen zu meinem 50. Geburtstag eine dicke, zerfledderte, reich bebilderte Katholische Kirchengeschichte vom Anfang des 19. Jahrhunderts geschenkt hat, die er einmal bei einem Spaziergang in der freien Natur gefunden hatte. Darin wird selbst das grausame Vorgehen der Inquisition, das Millionen den Tod brachte, oder das grausame Vorgehen gegen die Reformatoren als richtig gerechtfertigt. Welch ein Verrat an dem, der doch ausdrücklich gesagt hat: "Lasset beides miteinander wachsen - das Unkraut und den Weizen - bis zur Ernte“ (Mt.13, 30) ! Welch ein Verrat an dem, der die Bergpredigt nicht nur verkündigt sondern uns auch vorgelebt hat! 

Als Joseph Ratzinger Papst wurde, habe ich mich darum erneut, diesmal in einem längeren Schreiben mit der Bitte um befriedigende Antworten, an Rom gewandt. Er spricht ja deutsch, dieser Papst, und verfügt auch über einen ausgezeichneten Verstand.  Leider hat Rom mir auch dieses Mal den Dialog verweigert. Ich fühle  mich billig abgespeist und nicht ernst genommen. Statt Antworten gab` s, was ich ausdrücklich nicht haben wollte, eine Hochglanzportraitpostkarte von Benedikt XVI. mit Autogramm und Grüßen von einem seiner Sekretäre.

 

        

Letzte Aktualisierung ( Freitag, 26. Februar 2010 )