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Hallo Joe,
sorry nochmal, dass meine Antwort wieder so lange gedauert hat.
Danke dafür, dass du die Zeit genommen hast und auf meine Argumente auch
eingegangen bist (ist leider bei weitem nicht immer der Fall.....).
Ich befasse mich nun schon seit Jahren mit dem Thema Cannabis. Dass die
Dauereinnahme von Cannabis schädlich ist, bestreite ich auch gar nicht.
Aber
das dürfte wohl für jede Substanz gelten. Darum geht es mir auch gar nicht
-
das Entscheidende ist vielmehr, dass immer sofort von Missbrauch gesprochen
wird. Das ist unseriös, weil es impliziert, dass prinzipiell und
grundsätzlich
niemand mit dieser Substanz vernünftig umgehen kann.
Natürlich gibt es immer Leute, auf die das zutrifft. Die einfach nicht
genug
bekommen können - aber mal ehrlich, trifft das nicht auch auf anderes zu?
Auf die Freundin, wenn man so richtig verliebt ist? Auf das Autofahren,
wenn man
den Führerschein und das erste eigene Auto hat? Ich will damit nichts
verharmlosen,
aber das Argument ist auch nicht umfassend anwendbar. Soll aber nicht
heißen,
das es völlig falsch ist. Eine differenzierte Sichtweise ist hier nötig.
Die von dir zitierten Quellen waren mir bisher nicht bekannt. Aber bzgl.
der
Einlagerung und Freisetzung von Cannabis im Körperfett: Dass es tage- und
wochen-
lang nachweisbar ist, kommt ja eben daher, dass es nur sehr langsam (=in
sehr
geringen Mengen) daraus wieder freigesetzt und dann abgebaut/ausgeschieden
wird.
Da aber für jede Wirkung eine gewisses Mindestquantum an Wirkstoff nötig
ist, gibt
es eben deshalb keine erneute bzw. dauerhafte Rauschwirkung (davon
abgesehen dass
die meisten Metaboliten sowieso unwirksam sind).
ZumVergleich mit Alkohol: Ja, Alkohol ist ein Problem - bei Missbrauch. Ich
pers.
halte Alkohol für die gefährlichste Droge, weil man die Sucht nie wieder
los wird.
Man kann sie eben nur zum Stillstand bringen.
Und dann muss man natürlich schon die Frage beantworten, warum Alkohol dann
nicht sehr viel schärfer kontrolliert oder gar verboten wird. Und auch,
warum der
Wein in der Bibel befürwortet wird - und Rauschmittel darin nicht verboten
sind......
Ich bin mir sicher, du kennst diese Argumentationsrichtung. Aber diese
Fragen wurden
bisher nicht abschließend und erschöpfend beantwortet.
So neben bei: Alkohol ist recht giftig, - THC ist eine der ungiftigsten
Substanzen, die die
Menschheit kennt. Man müsste es grammweise aufnehmen, um daran zu sterben.
Das ist der Grund, warum bisher noch niemand an einer Überdosis gestorben
ist.
Was mir an deiner Webseite so aufgestoßen ist, ist, dass du das alles als
unumstößliche und unbestrittene Fakten darstellst. Dass es viele anders lautende
Forschungsergebnisse gibt
(immerhin beziehst du dich auf Veröffentlichungen von 1994 und 2000)
erwähnst du gar nicht.
Ohne dir zu nahe treten zu wollen (echt nicht!): Ich halte dich zumindest
unbewusst für
voreingenommen. Du konntest mit den Rauschmitteln nicht umgehen - Fakt,
keine Grund sich zu schämen oder sowas. Aber bloß weil DU es nicht
konntest, heißt das nicht, dass anderees ebenfalls nicht können!
Erstaunlicherweise neigen allerdings viele Christen zu Vorurteilen und zum
Abstinenzlertum (abgesehen vom Alkohol, Nikotin und Tabak, je nach pers. Überzeugung halt)
und zur
Pauschalisierung: Alles andere ist falsch, verwerflich und schlecht, ja
nach Vorliebe auchnoch böse - prinzipiell.
Das finde ich einen zutiefst unchristlichen Standpunkt. Besonders wenn`s
durch die Bibelnicht belegt werden kann.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Warnungen und Belehrungen sind
dringend nötig, gar
keine Frage - aber pauschale Verurteilungen und Warnungen vor Schäden, die
in der Regel
nur bei Dauerkonsumenten auftreten, sind einfach nicht OK (und außerdem
kontraproduktiv,wie die gescheiterte Krieg-den-Drogen-Kampagne in der 80ern gezeigt hat).
Dauerkonsum
von was auch immer ist nie gut. Wer sich natürlich jeden Tag was reinzieht,
ist bald wirklichzu nichts mehr zu gebrauchen, stimme dir da völlig zu. Aber warum wird
immer gleich vom
schlimmsten Fall ausgegangen? Wie viel Prozent der User sind denn wirklich
täglicheKonsumenten? Ca. 10 %. Und deshalb alle über einen Kamm scheren?
Auch halte ich Cannabis NICHT für harmlos - es ist und bleibt eine Droge!
Aber ich halte es im Großen und Ganzen für ungefährlich. Und ja, es gibt immer Leute, die es
nicht vertragen.
Wie überall halt. ... Ich finde es völlig daneben, den Glauben an den
lebendigen Gott versus Cannabis-Konsum auszuspielen. Das eine schließt das
andere eben nicht zwangsläufig aus.Aber falls ich da was in der Bibel übersehen haben sollte oder noch nicht
kenne,
wäre ich mich über `nen kurzen Hinweis echt sehr dankbar.
Viele Grüße & Gottes Segen,
P.
Hallo P.
auch ich brauche immer Zeit zum Antworten. Und wie Du
befasse ich mich nun auch schon seit Jahren mit dem Thema Cannabis, genauer
gesagt seit Jahrzehnten, wenn du die mehr als zehn Jahre, die ich selbst
intensiv konsumiert habe, mitrechnen magst. Wenn Du mich zwischen 20 und 25
Jahren gefragt hättest, was ich mache, was für einen Beruf ich ausübe, hätte
ich Dir vermutlich spontan mit „Kiffer“ geantwortet, so sehr stand damals der
Konsum im Vordergrund. Es war quasi meine Identität, und bis heute verbindet
mich manche – oft uralte - Freundschaft
mit der Szene und führt immer wieder zu kuriosen Erlebnissen:
Vor einiger Zeit machte ich einen Besuch bei einem guten
Freund, der seit beinahe 30 Jahren Cannabis raucht. Ich traf ihn in
Gesellschaft einiger seiner mir bis dahin unbekannten Bekannten, die von einer
Fete am Vortag übrig geblieben waren. Man lud mich zum Tee, und bald kreiste
die obligatorische Haschpfeife. Als die Reihe an mir war, gab ich das
Rauchgerät an den mir am nächsten Sitzenden weiter, ohne auch nur einen
winzigen Zug zu nehmen. Erstaunt blickte mich derjenige an, der mir die Pfeife
gereicht hatte. „Hatte ich ´s mir doch
gedacht“, sagte er, „du sahst irgendwie so aus, als wenn du heute kein Bock zum
Kiffen hast.“ „So sehe ich seit mehr als 25 Jahren aus,“ habe ich ihn
angelacht. Seine Kinnlade klappte voller Erstaunen herunter. Und ich konnte der
versammelten Mannschaft erzählen, wie ich frei geworden bin und was mich frei
bleiben ließ.
Ich will Dir auch ein
Erlebnis mit Jack schildern. Mit Jack – eigentlich heißt er anders, aber ich
habe den Namen geändert – hatte ich einige
Jahre tierisch viel gekifft, ihn dann aber aus den Augen verloren. Aber
eines Tages stand er völlig überraschend in meiner Haustür. Großes
Wiedersehenshallo, und dann lud er mich ein zu einer Fahrt in die Botanik. Mit
seinem kleinen Fiat hatten wir schnell ein ruhiges Plätzchen an einem
stillgelegten Kanalstück gefunden. Dort bröselte er eine ordentliche Mischung
schwarzen Afghan und Filterzigarettentabak in seinen Riesenkocher, rauchte kurz
an und wollte dann die Pfeife an mich weitergeben. „Danke, Jack“ winkte ich ab.
„Ich rauche schon über 10 Jahre nichts mehr.“ Leicht irritiert nahm er nun doch
selbst einen kräftigen Zug und wiederholte sein Angebot. Mit den Worten: „Auch
wenn du es momentan nicht raffst, ich habe wirklich schon vor Jahren mit dem
Kiffen aufgehört!“ lehnte ich auch diesmal ab. Nun endgültig verunsichert, sog
er sich dann die eigentlich für zwei gedachte Mischung ganz allein rein. Mühsam
den Husten unterdrückend, den letzten Rest bitteren Rauch exhalierend, brach es
schließlich aus ihm hervor: „Booh, was eine Botanik!“ Wirklich, ich fand die
„Botanik“ auch schön, die Sonne, die auf den Blättern spielte, die Wolken, die
sanften Wellen auf dem Kanal, die Gräser im Wind, ...
28 Jahre bin ich jetzt drogenfrei. Nicht immer verlaufen die
Begegnungen mit aktiven Kiffern so
spannungsfrei wie die beiden oben beschriebenen, zumal ich heute auch
öffentlich gegen Drogen Stellung beziehe. „Judas, Verräter“ und ähnliche
Beschimpfungen musste ich mir schon anhören, und das, obwohl ich mich
wiederholt auch ganz öffentlich gegen eine Kriminalisierung von Potrauchern
ausgesprochen habe. Aber es ist nun einmal wie es ist, in der persönlichen
Begegnung mit Jesus Christus fand ich, was kein Droge mir geben konnte: Frieden
mit mir selbst, Frieden mit Gott und Frieden mit Menschen um mich her. Nach
achtundzwanzig Jahren Christsein brennt in mir die Liebe Jesu zu einer
verlorenen Welt stärker als je zuvor. Die Drogenerfahrungen hingegen erscheinen
mir trotz aller „Highlights“ wie verlorene Jahre.
Du hältst mich für „zumindest unbewusst voreingenommen“,
weil ich wohl offensichtlich „mit den Rauschmitteln nicht umgehen konnte“, aber
ich bin beileibe kein Einzelfall. Neben Alkohol und Nikotin, der mit Abstand am
häufigsten missbrauchten legalen Drogen in unserer Gesellschaft, ist Cannabis
die am weitesten verbreitetste illegalisierte Substanz. Der Trend, dass
Cannabisprodukte auf hohem Niveau gebraucht werden, setzt sich unverändert
fort. Auf Grund veränderter Parameter und Bedingungen rund um den
Cannabisgebrauch gerade auch sehr junger Menschen wachsen die sich negativ
auswirkenden Folgeerscheinungen an. Wo hochgezüchtetes Cannabis sowie sich
verhärtende Konsumgewohnheiten auf immer jünger Drogengebraucher treffen, die
der Ansicht sind, sie könne sich gefahrlos der Droge bedienen, schnappt die
Cannabisfalle voll zu. „Jungen und Mädchen im Alter zwischen 11 bis 15 sind weder seelisch noch körperlich darauf
eingestellt, mit den eigenmächtigen Wirkungen psychoaktiver Drogen zu tun
bekommen. Lassen sie sich mit Haschisch oder Marihuana ein, ist ihr Risiko erheblich höher, in kurzer Zeit zum
Gewohnheitskiffer mit Folgeproblemen zu werden, als wenn sie erst mit 16 Jahren
oder noch später beginnen, Cannabis zu sich zu nehmen“, schreibt Helmut Kuntz
in „Ratgeber Drogen- und Sucht“, Beltz-Verlag Weinheim und Basel 2007, und dann
weiter: „In dem Alter sind sowohl ihre seelisch-geistige als auch ihre hirnorganische
Entwicklung weiter fortgeschritten. Ältere Jugendliche und Erwachsene sind von
daher prinzipiell eher in der Lage, Haschisch und Marihuana in kontrollierter
Weise zu gebrauchen. Cannabis nicht bloß im Prinzip, sondern im realen Konsum
tatsächlich zu beherrschen setzt allerdings ein gerüttelt Maß an zusätzlichen
allgemeinen wie drogenspezifischen
Lebenskompetenzen voraus. In dieser Hinsicht neigen daher noch viele Gebraucher
von Cannabis zur Selbstüberschätzung, die erst nach dem 16. Lebensjahr zu
kiffen beginnen. Viele der regelmäßigen Haschisch und Marihuanagebraucher
gleich welchen Alters teilen ein gemeinsames Problem: Lange Zeit verschließen
sie systematisch die Augen vor der Realität, dass sie längst nicht mehr Herr im
eigenen Hause sind. Entgegen ihrer gebetsmühlenhaft wiederholten Beteuerungen,
ihren Konsum von Cannabis voll im Griff zu haben, beherrschen nicht mehr sie
die Droge, sondern werden umgekehrt in ihrer Lebensführung von der Droge beherrscht. Sie geraten durch ihren
schädlichen Gebrauch bzw. ihre starke Abhängigkeit von Cannabis in
Lebensschwierigkeiten, welche es nach Meinung vieler Anhänger der als weich
geltenden Substanz als Folgen eines chronischen Konsums eigentlich gar nicht
geben dürfte. Insbesondere die überschießende Aggressivität und mangelnde
Impulskontrolle chronischer Cannabiskonsumenten stellen ein recht neues
Phänomen dar. Zwar sind Haschisch und Marihuana vom Wirkungsspektrum her immer
noch Substanzen mit vorzugsweise beruhigender Wirkung. Haben stark an Cannabis
gewöhnte oder abhängige Konsumenten aber keinen Stoff zum Kiffen oder bemühen
sie sich mit Absicht, ihren aus dem Ruder gelaufenen Konsum zu begrenzen,
rasten sie als Ausdruck der Abstinenzerscheinungen immer häufiger aggressiv
aus.“ (Drogen und Sucht, S.224 f). Dem möchte ich voll recht geben, bis auf den
Punkt, dass meine eigenen Eltern schon in den siebziger Jahren ein leidvolles
Lied davon zu singen wussten. Allerdings wurden
sie damals in den Drogenberatungsstellen noch allgemein belächelt, nicht
ernst genommen und mit dem Hinweis, dass
sie doch froh sein könnten, dass ihr Kind nicht Heroin spritzt, abgespeist,
während heutzutage die Problematik weitgehend anerkannt ist, und die Beratungs- und Therapiezimmer heute
voll sind mit Cannabiskonsumenten aller Altersstufen, die in ihrem Leben nichts
mehr geregelt bekommen.
Aber ich möchte gar nicht erneut in die Pro- und
Contra-Diskussion der biochemischen, medizinischen, sozialen und körperlichen und seelischen
Aspekte des Cannabiskonsums einsteigen, sondern vielmehr versuchen, anhand
einiger Ausschnitte aus einem Manuskript von Friedemann Alsdorf die geistige
Komponente des Suchtgeschehens in den Vordergrund zu rücken.
Er regt an, die bekannte Geschichte vom Sündenfall aus dem
Buch Genesis Kap.3 doch einmal unter dem Aspekt des Suchtgeschehens zu lesen.
Zur Erinnerung: Gottes Absicht bestand darin, ein Wesen zu schaffen, das seine
wunderbaren göttlichen Eigenschaften im Kleinen wiederspiegeln sollte. Dazu
nahm er dieses vollkommene Geschöpf, Mensch genannt, das er geschaffen hatte,
und setzte es in einen wunderschönen
Garten. Dort ließ Gott den Menschen mit einer sehr einfachen Anweisung zurück.
„Ich will, dass ihr lebt; ich will, dass euer Leben schön, sinnvoll, reich und
interessant sei. Ich will, dass ihr dies Leben bis zur Neige auskostet, dass
ihr euch unter meiner Leitung dieses Lebens freuen könnt. Von allen Bäumen im
Garten dürft ihr die Früchte genießen, mit einer Ausnahme.“
Könnte diese eine Ausnahme, dieser eine Baum, die Bibel
nennt ihn Baum der Erkenntnis, eventuell giftige, in schwacher Dosis
bewusstseinsverändernde Früchte getragen haben, und daher das Verbot?
Selbst wenn man dieser Deutung nicht zu folgen vermag,
überrascht doch die Anhäufung suchttypischer Verhaltensweisen in 1. Mose 3.
Friedemann Alsdorf nennt folgende Stichpunkte:
„a) Versuchung von außen.
„Aber die Schlange ... sprach zu
dem Weibe: „Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allen
Bäumen im Garten?“ (V.1) „Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott
weiß: an dem Tag, da ihr davon esset, werden eure Augen aufgetan ...“
(V.4)
b) Misstrauen: Sollte Gott uns etwas missgönnen? Wunsch,
sich unabhängig zu machen und eigen Maßstäbe von Gut und Böse zu besitzen. Wie
Gott sein wollen.
„Ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut
und böse ist.“ (V.5) Aufgrund dieses Wunsches wird die Versuchung stärker als das Verbot. Übertragen auf den
Suchtmittelgebrauch könnte das heißen: Rauche, dann bist du wie die
Erwachsenen, nimm psychedelische Drogen, dann hast du Einblick in transzendente
Welten, nimm Kokain oder Heroin, und du fühlst dich göttlich!
c) Hohe anfängliche Attraktivität des Suchtmittels.
„Und das Weib sah, dass von dem
Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend,
weil er klug machte.“ (V.6)
d) Gemeinschaftlicher Missbrauch macht es leichter,
Hemmschwellen zu überwinden.
„Und sie nahm von der Frucht und
aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon, und er aß.“ (V. 6)
e) Die Erwartungen, die mit dem Suchtmittelkonsum verbunden
sind, werden oft nicht erfüllt.
„Da wurden ihnen beiden die
Augen aufgetan, und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren.“ (V.7)
f) Der Grenzüberschreitung folgte die Scham.
„... und flochten Feigenblätter
zusammen und machten sich Schurze.“ (V.7)
g) Ehemals gute Beziehungen werden beeinträchtigt und
zerstört.
„Und Adam versteckte sich mit
seinem Weibe vor dem Angesicht Gottes ...“ (V.8) „Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich.“
(V.10)
h) Schuld wird nicht eingestanden, sondern abgewälzt.
Verantwortung wird geleugnet.
„Da sprach Adam: „Das Weib, das
du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum und ich aß.“ (V.12) „Das Weib sprach:
„Die Schlange betrog mich, so dass ich aß.“ (V.13)
i) Die Folgen sind ein Leben in Mühsal und letztlich der
Tod.
„Im Schweiße deines
Angesichts sollst du dein Brot essen,
bis du wieder zur Erde werdest, davon du genommen bist.“ (V.19)
j) Zugleich gibt Gott den ersten Hinweis auf den kommenden
Erlöser.
„Ich will Feindschaft setzen
zwischen dir (der Schlange) und dem Weibe und zwischen deinen Nachkommen und
ihrem Nachkommen (Singular!); der soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn
in die Ferse stechen.“ (V.15)“
(in Manuskript zur Veröffentlichung in „Befreiende Wahrheit,
Zeitschrift für Seelsorge und Christliche Therapie, Kitzingen, 1966)
Betrachtet man die Erzählung aus diesem Blickwinkel, erkennt
man, dass viele der späteren Ausführungen der Bibel zum Suchtmittelmissbrauch
und seinen Folgen hier schon im Keim enthalten sind. Aber der Reihe nach.
Beim Umgang mit Suchtmittel lässt sich unterscheiden zwischen „Gebrauch“, „Missbrauch“,
„Abhängigkeit/Sucht“ und „Abstinenz. Die Definitionen, was das ist, sind vielfältig und in den Übergängen
fließend. Ich möchte mit „Gebrauch“ die sinnvolle und hilfreiche
Verwendung von Dingen im Einklang mit
der langfristigen persönlichen, sozialen und geistlichen Weiterentwicklung
bezeichnen. „Missbrauch“ bedeutet für mich ein sich selbst und/oder andere
schädigender Konsum. „Sucht oder Abhängigkeit“, ich verwende diese Begriffe
weitgehend synonym, sind für mich dadurch charakterisiert, dass fortgesetzt
oder periodisch ein dringendes bis unbezwingbares Verlangen besteht, sich
bestimmte Substanzen im schädlichen Maß zuzuführen. Und unter „Abstinenz“
verstehe ich die freiwillige und bewusste Entscheidung zur völligen
Enthaltsamkeit von einer Sache. Zu allen vier Formen des Umgangs mit Suchtmitteln finden sich
zahlreiche Aussagen in der Bibel. Allerdings nennt sie an Suchtmitteln hauptsächlich „Wein „ und „starkes Getränk“,
womit Bier oder vergorene Fruchtsäfte gemeint sind, da die Destillation von
Alkohol erst im Mittelalter entdeckt wurde.
Destruktive suchtartige Verhaltensweisen wie z.B. „Fressen“,
„Saufen“, „Hurerei“ oder „Habgier“ werden ebenfalls erwähnt.
Friedemann Alsdorf schreibt: „In der Bibel finden sich
zahlreiche Beispiel eines positiven, von Gott bejahten Gebrauchs von Wein und
starkem Getränk. Brot, Wein und Öl waren in der biblischen Zeit die drei
Hauptnahrungsmittel (2.Chr. 2,9; Ps. 104,14. +15). Der Wein wird als Gottesgabe
gerühmt (Pred.9, 7) , gehört als Trankopfer zu jedem Brandopfer
(2.Mos.29,38-41) und ist ein Bestandteil der Festfreude des Gemeinschaftsmahls
vor dem Herrn:
5.Mose 14,26: „ ...und gib das
Geld für alles, woran dein Herz Lust hat, es sei für Rinder, Schafe, Wein,
starkes Getränk oder für alles, was dein Herz wünscht, und iss dort vor dem
Herrn, deinem Gott, und sei fröhlich, du und dein Haus.“
Wein wird auch als Heilmittel verwendet (Luk.10, 34;
1.Tim.5,23). Selbst die betäubende Wirkung des Alkohols wird in bestimmten
Extremfällen gutgeheißen:
Spr.31, 6 +.7: „Gebt starkes
Getränk denen, die am Umkommen sind, und Wein den betrübten Seelen, das sie
trinken und ihres Elends vergessen und ihres Unglücks nicht mehr gedenken.“
Folglich wurde den Verurteilten vor der Kreuzigung ein Betäubungstrank
gereicht. Jesu Ablehnung dieses Trankes beruhte nicht auf einer grundsätzlichen
Ablehnung von Wein, sondern bietet den Hinweis, dass er das Leiden der Kreuzigung
bis zuletzt unvermindert auf sich nahm. Im Unterschied zu Johannes dem Täufer
hat Jesus nämlich Wein getrunken (Mt.11, 19). Nach Mk.2, 18-22 hat er sein Tun
begründet: solange der Bräutigam da ist, ist Freudenzeit. Auch ist das erste
öffentliche Wunder das Jesus tut, die Verwandlung von Wasser in Wein auf der Hochzeit zu Kana (Joh.2, 2-11). Im
Abendmahl setzt er den Wein mit seinem Blut gleich. ...
Die Autoren der Bibel unterscheiden scharf zwischen Gebrauch
und Missbrauch alkoholischer Getränke. Im Gegensatz zu den umgebenden antiken
Kulturen (Hathorkult bei den Ägyptern, Dionysoskult bei den Griechen) lehnen
sie den Rausch und die Ekstase radikal ab. „Der Rausch ist nicht Göttliches
Gott ist viel zu gewaltig, als dass er sich eines Mittels bedienen müsste. Gott
teilt sich seinem Volk direkt mit, indem er es führt und lenkt. Seine Taten
sind wirkliche Taten, keine rauschhaften Einbildungen. Außerdem ist Gott sehr
nüchtern. Er mag klare Verhältnisse. Rausch verwirrt, öffnet der Sünde Tür und
Tor, ist Teil des Bösen.“ (Brunner, Heinz: Seelsorge mit Alkoholabhängigen:
Begleitung – Beratung - Therapie. Mainz 1990, S.14,f)
Im Volk Israel wurde jedoch vielfach das rechte Maßhalten im
Trinken versäumt; vor solchem Missbrauch wird oft und eindringlich gewarnt (Spr.31,
4.5; Am.6, 1-7).
Spr.20, 1: „Der Wein macht
Spötter, und starkes Getränk macht wild: wer davon taumelt, wird niemals
weise.“
In der Schilderung von Einzelpersonen finden sich Beispiele für Alkoholmissbrauch und seine Folgen bei Noah (Bloßstellung und
Verfluchung des jüngsten Sohnes, 1.Mos.9,20-25). Lot (Inzest, 1.Mos.19, 31-38)
und Belsazar (Entweihung der Tempelgefäße und Tod, Dan.5).
In den Briefen des NT wird die Trunkenheit als etwas
bezeichnet, das zum Wesen des unerlösten Menschen gehört. (Gal.5,21;
Röm.13,13):
1.Petr.4,3 +4: „Denn es ist
genug, dass ihr die vergangen Zeit zugebracht habt nach heidnischem Willen, als
ihr ein Leben führtet in Ausschweifung, Begierden, Trunkenheit, Fresserei,
Sauferei und gräulichem Götzendienst. Das befremdet sie, dass ihr euch nicht
mehr mit ihnen stürzt in dasselbe wüste, unordentliche Treiben, und sie
lästern.“
Unter der Aufzeichnung der Werke des Fleisches in Gal.5, 19
– 21 findet sich ferner das Wort „pharmakeia“, das in etwa bedeutet:
„Bewusstseinsveränderung durch Drogen“ (bei Luther übersetzt mit „Zauberei“).
Paulus tadelt die Korinther, weil sie den
Gemeinschaftscharakter des Herrenmahls aufheben, indem die Reichen sich von den
Armen absondern und die einen hungern, während die anderen im Überfluss
schwelgen und sich am Wein berauschen. „Wichtig dabei ist, - was wohl im
Gegensatz zu dem auch in Korinth verbreiteten Dionysoskult gesagt wird – dass
Weinrausch und Herrenmahl nicht zu vereinbaren sind.“ (Peisker, Heinrich:
„methä ...“ (Rausch) in Kittel, a.a.O., Bd. IV, 1942, S. 553). Am klarsten wird
der Trennungsstrich zwischen urchristlichem Pneumatikertum und
hellenistisch-orgiastischem Enthusiasmus in Eph.5, 18 gezogen:
Eph. 5,18: „Und sauft euch nicht
voll Wein, woraus ein unordentliches Leben folgt, sondern lasst euch vom Geist
erfüllen.“
Gerade mit der Nüchternheit und Wachsamkeit, die die Haltung
der Christen in Erwartung der Wiederkunft Jesu sein soll, lässt sich der Rausch
nicht vereinbaren:
Luk.21, 34: „Hütet euch aber,
dass eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen und mit
täglichen Sorgen und dieser Tag nicht plötzlich über euch komme wie ein
Fallstrick.“ (vgl. Luk.12, 42 – 46)
1.Thess.5, 7 + 8: „Denn die
schlafen, die schlafen des Nachts, und die betrunken sind, die sind des Nachts
betrunken. Wir aber, die wir Kinder des Tages sind, wollen nüchtern sein,
angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung
auf das Heil.“
Alkoholmissbrauch ist daher unvereinbar mit einer
Leitungsfunktion in der Gemeinde. In Fortführung der Linie des Alten Testaments
(Spr.31, 4+5) sollen Leiter und selbst Helfer in der Gemeinde keine Weinsäufer sein (1.Tim.3, 3+8; Tit.
1,7).
Spr.31, 4+5: „Nicht den Königen,
Lemuel, ziemt es, Wein zu trinken, nicht den Königen, noch den Fürsten starkes
Getränk! Sie könnten beim Trinken des Rechts vergessen und verdrehen die Sache
aller elenden Leute.“
1.Tim.3, 8 : „ Ebenso die
Diener: ehrbar, nicht doppelzüngig, nicht vielem Wein ergeben, nicht
schädlichem Gewinn nachgehend ...“
Paulus gebraucht hier die Worte „paroinos“ (ein dem Wein
Ergebener) bzw. „oino pollo prosechontas“ (vielem Wein ergeben). Hiermit
unterscheidet er den Vieltrinker und damit Suchtgefährdeten vom süchtigen,
ständig berauschtem „methysos“ (Trunkenbold), der aus der Gemeinde auszuschließen
sei (siehe unten).
Dass gehäufter Missbrauch zu einem Wiederholungszwang, zu
Gefangenschaft und letztlich zum Tod führt, zeigen die biblischen Autoren mit
drastischen Worten:
Spr.23, 29-35: „Wo ist Weh? Wo
ist Leid? Wo ist Zank? Wo ist Klagen? Wo sind Wunden ohne jeden Grund? Wo sind
trübe Augen? Wo man lange beim Wein sitzt und kommt, auszusaufen, was
eingeschenkt ist. Siehe den Wein nicht an, wie er rot ist und im Glase so schön
steht. Er geht glatt ein, aber danach beißt er wie eine Schlange und sticht wie
ein Otter. Da werden deine Augen seltsame Dinge sehen, und dein Herz wird
Verkehrtes reden, und du wirst sein wie einer, der oben im Mastkorb liegt. „Sie
schlugen mich, aber es tat mir nicht weh: sie prügelten mich, aber ich fühlte
es nicht. Wann werde ich aufwachen. Dann will ich´ s wieder so treiben.“
Jes.28, 7b –13: „Priester und
Propheten sind toll vom starken Getränk, sind vom Wein verwirr, sie sind toll
beim Weissagen und wanken beim Rechtsprechen. Denn alle Tische sind voll Gespei
und Unflat an allen Orten! „Wen“, sagen sie, „will der denn Erkenntnis lehren?
Wem will er Offenbarung zu verstehen geben? Denen, die entwöhnt sind von der
Milch, denen, die von der Brust abgesetzt sind? „Zawlazaw zawlazaw, kawlakaw,
kawlakaw, hier ein wenig, und da ein wenig!“...
Darum soll auch des HERRN Wort an sie ergehen: „Zawlazaw zawlazaw,
kawlakaw, kawlakaw, hier ein wenig und da ein wenig“, dass sie hingehen und rücklings fallen,
zerbrochen, verstrickt und gefangen werden.“
Paulus fordert die Aufhebung der Gemeinschaft, wenn jemand,
der sich Bruder nennen lässt, ständig berauscht ist.
1.Kor.5, 11: „Vielmehr habe ich
euch geschrieben: Ihr sollt nichts mit einem zu schaffen haben, der sich Bruder
nennen lässt und ist ein Unzüchtiger oder ein Geiziger oder en Götzendiener
oder ein Lästerer oder ein Trunkenbold („methysos“, ein ständig Berauschter)
oder ein Räuber; mit so einem sollt ihr auch nicht essen.“
Viele Ausleger haben diese Worte missverstanden: Paulus habe
eben nicht gewusst, dass Sucht eine Krankheit sei. Auf dem Hintergrund der
heutigen Erkenntnis über die Intervention der Sucht gewinne diese Worte jedoch
eine überraschende Aktualität und Brisanz: Solange der Alkoholiker noch
ungebrochen weitertrinkt, versucht man, durch gestufte Verweigerung von Hilfe
bis hin zum Ausschluss aus der Gemeinschaft (Kündigung im Betrieb, Trennung von
der Familie) einen konstruktiven Leidensdruck zu erzeugen, der zum Ausstieg aus
der Sucht motiviert. Für diesen - aber nur
für diesen - Fall bleibt ein Hilfsangebot
erhalten. Kann nicht auch ein Gemeindeausschluss (vgl. Mt.18, 15-17) solch ein
Schritt zur Schaffung konstruktiven Leidensdrucks sein – insbesondere als
zweite Stufe nach dem oben erwähnten Entzug von Leitungsämtern? Er würde es
verunmöglichen, das Problem innergemeindlich totzuschweigen und so zu tun, als
wäre nichts, wie es bei Suchtkranken so oft (und zu ihrem Schaden) geschieht.
Er würde im Übrigen die Gemeindeglieder nicht von der Verantwortung entbinden,
dem „verlorenen Schaf“ nachzugehen. Jesus hat die Zöllner und Sünder aufgesucht
– nicht um sie in ihrer Lebensweise zu bestätigen, sondern um sie (neu) zu
gewinnen.
Trunkenbolde haben keinen Anteil am Reich Gottes:
1.Kor.6, 9b –10: „Lasst euch
nicht irreführen! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, Ehebrecher, Lustknaben,
Knabenschänder, Diebe, Geizige, Trunkenbolde („metysoi“), Lästerer oder Räuber
werden das Reich Gottes ererben.“
Der Begriff „methysos“ leitet sich direkt von „methä“ (dem Rausch) her. Der Rausch stellt das
Wesensmerkmal des „methysos“ dar: er
lebt im Rausch und für den Rausch, und dieser ist sein Götze. In diesem Zustand
kann er das Reich Gottes nicht erben (vgl. 2.Mose 20,3; Mt. 6,24). Nach einer
Bekehrung findet jedoch eine grundlegende Veränderung statt, die selbst dann noch
trägt, wenn der Betreffende massiv rückfällig wird: Der Rausch macht nicht mehr
den Spaß, den er früher bereitete, es bleibt die unüberhörbare Stimme des
Geistes, aufzuhören und zu Gott zurückzukehren. Für solch einen Menschen ist der Begriff „methysos“ nicht mehr im
vollen Sinne anwendbar, da trotz aller Schwachheit bereits etwas anderes sein
leben prägt. Die in diesem Punkt ebenfalls schwache Gemeinde in Korinth
empfängt dann auch in der Fortsetzung des Textes einen wunderbaren Zuspruch von
Paulus:
1.Kor.6,11: „Und solche sind
einige von euch gewesen. Aber ihr seid reingewaschen, ihr seid geheiligt, ihr
seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den
Geist unseres Gottes.“
Auf dem Hintergrund
des verbreiteten Missbrauchs setzen bestimmte Personen und
Personengruppen im Alten und Neuen Testament mit bewusster Abstinenz Zeichen
des Glaubens in einer gottlosen Umgebung:
* Die diensttuenden Priester durften weder Wein noch starke
Getränke trinken (3.Mose 10,9).
* Nasiräer (Menschen, die sich Gott geweiht hatten)
enthielten sich von Wein und Weintrauben
in jeder Form (4.Mos. 6, 3-4; Ri.13, 4).
* Die Rechabiter (Nachkommen Jonadabs, des Sohnes Rechabs)
tranken keinen Wein und gaben damit ein Vorbild des Gehorsams ab (Jer.35).
* Wie die Nasiräer nahm auch Johannes der Täufer keinen Wein
zu sich (Luk.1, 15; 7,33).
Paulus empfiehlt unter Umständen die gänzliche Enthaltung
von Fleisch und Wein, wenn der schwache Bruder (z.B. ein Alkoholiker) am Essen
und Trinken Anstoß nimmt.
Röm.14, 21: „Es ist besser, du
isst kein Fleisch und trinkst keinen Wein und tust nichts, woran sich dein
Bruder stößt.“
Das Motiv soll nicht schlechtes Gewissen sein (Kol. 3,16),
sondern die Liebe, die niemand zur Sünde verführen will (Röm.14, 15)“
Soweit Friedemann Alsdorf. (wie oben) Was soll ich dem noch
hinzufügen? Ich habe schnell gemerkt,
dass ich, mit der Bibel in der einen und dem Joint in der anderen Hand, nur ein wenig vertrauenswürdiger Zeuge für die
freimachende Liebe meines Heilands sein konnte. Mein Freund Franz - sein Lebenszeugnis findest du im Buch „Franz,
Freaks and Friends“ - war sein halbes Leben (mehr als 20 Jahre) auf Heroin. Als
er zu Jesus fand und von Hartdrogen frei wurde hat er zunächst gedacht, er
hätte eine Lizenz zum Kiffen, aber selbst ihn hat Gottes Geist dann schnell
überführt, auch mit Cannabis und Tabakrauchen aufzuhören.
1.Kor. 6,19, frei übersetzt: „Oder habt ihr vergessen, dass euer Körper wie
ein Tempel für die Kraft des heiligen Geistes ist, der euch von Gott geschenkt
wurde? Ihr gehört euch nicht mehr
selbst. Ihr seid teuer erkauft. Hey, geht darum mit Euren Körpern so um, dass
es Gott Ehre macht und er sich darüber
freut!“
Joe
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